Bei den Kleinen fängt es an

16.05.2023 |

Seit 2016 bestärkt die Erzdiözese Kirchengemeinden, Verbände und diözesane Einrichtungen zu einem nachhaltigen Einkauf und Konsum. „fair.nah.logisch.“ lautet der Name der Initiative, bei der bistumsweit schon 60 Einrichtungen mitmachen, darunter auch zwei Kindergärten.

Ein Tag rund um die Knolle: Morgens lernen die Kinder im Hof alles rund um die Kartoffel ...
 
„Mila, kommst Du mit Kartoffeln einpflanzen?“ Die kleine Mila braucht nicht lange gefragt werden. Und nicht nur sie. Schnell hat Monika Schröpfer sechs kleine Helfer. Schuhe und Jacken an, Mützen auf und raus geht’s an diesem sonnig-kalten Vormittag aufs Außengelände der Kita St. Elisabeth auf dem Buckenberg in Pforzheim. Dort steht am Rande der großen Spielfläche mit Schaukel, Wippe und Co. ein etwa zwei Quadratmeter großes Hochbeet. Rundum wachsen Erdbeerpflanzen, in den Ecken sprießen erste dünne Schnittlauchhalme aus der Erde. 

„Was macht man eigentlich alles aus Kartoffeln?“, will Monika Schröpfer von ihrer kleinen Gruppe wissen. „Kartoffelbrei“ fällt den Kindern gleich ein. Groß werden die Augen dann, als die Kinder von Monika Schröpfer erfahren, dass auch Pommes und Chips ihren Ursprung in den vor ihnen liegenden dunkelbraunen Knollen haben. Auch dass die Kartoffeln unter der Erde gedeihen und die über der Erde wachsenden Beeren der Pflanzen giftig sind, lernen sie an diesem Morgen.

50 Kinder, darunter zehn Krippenkinder unter drei Jahren, werden in der Kita St. Elisabeth betreut. Elf Erzieherinnen mit unterschiedlichem Stellenumfang zählen zum Team um Kindergartenleiterin Monika Schröpfer. Sie war es auch, die die Initiative „fair.nah.logisch.“ in die Einrichtung brachte, kannte sie diese doch schon aus ihrer Pfarrgemeinde, wo sie sich im Gemeindeteam engagiert. Viel Überzeugungsarbeit musste sie nicht leisten: „Wir waren ohnehin schon auf dem Weg. Da ging es nur noch darum, Fäden zusammenzuführen und Bewusstsein zu schaffen.“
 
„Niederschwellig“, so bezeichnet auch Eva Jerger die Initiative. Sie leitet im Erzbistum das Referat „Fair-Trade-Diözese“. Voraussetzungen zur Teilnahme gibt es bei „fair.nah.logisch.“ nicht. Vielmehr unterzeichnen die Teilnehmenden eine Selbstverpflichtung, mit der Zeit möglichst ökologisch und fair einzukaufen und nachhaltig zu wirtschaften. Nach einer Bestandsaufnahme werden Ziele festgelegt, die Fortschritte jährlich in einem kurzen Bericht dokumentiert. Ist das geschafft, gibt’s eine Urkunde, wie sie inzwischen auch im Büro der Kita St. Elisabeth an der Wand hängt.

„Kann ich das auch mal anfassen?“ Begeistert zerkleinern die Kinder inzwischen große Erdklumpen und füllen damit leere Wannen, die Monika Schröpfer neben dem Hochbeet platziert hat. Eigentlich wollten sie dort die Knollen einpflanzen, doch Erdbeeren und Kartoffeln vertragen sich nicht, eine neue Lösung musste her. Ganz vorsichtig, um schon sprießende Keime nicht abzubrechen, legen die Kinder schließlich die Kartoffeln in vorbereitete Mulden. Nun noch Erde drauf und ab jetzt heißt es: warten und gießen. 
 
Nach der Theorie geht es ins Praktische über: Die Kinder pflanzen zusammen mit ihrer Erzieherin Kartoffeln ein.

„Wenn wir die Kartoffeln ernten, ist bestimmt schon Herbst“, verrät Monika Schröpfer. „Da habe ich Geburtstag“, freut sich ein Junge. Bis dahin werden die Kinder verfolgen, wie die Kartoffelpflanzen über die Wochen größer und größer werden. „Kinder sind grundsätzlich dann begeistert, wenn wir von etwas begeistert sind“, sagt Monika Schröpfer. Und was die Natur und ihren Schutz betreffe, seien Kinder immer sehr offen. „Wo soll man ansetzen, wenn nicht bei ihnen?“

Auch Bildungsarbeit rund um das Thema Nachhaltigkeit gehört zur Initiative. In der Kita St. Elisabeth sagt man Umwelterziehung dazu. Viele Projekte kann Monika Schröpfer aufzählen: den Bau eines Insektenhotels, das Säen insektenfreundlicher Blumen, den wöchentlichen Waldtag, Projektarbeit zur Schöpfungsgeschichte und zum Sonnengesang … Außerdem steht nicht zum ersten Mal im Raum der Krippenkinder eine Aufzucht-Voliere, in der sich beobachten lässt, wie aus Raupen Schmetterlinge werden. Auch den Besuch eines Imkers und eines Theaterstücks für Kinder zum Thema Energiesparen hat sich die Kita für dieses Jahr noch vorgenommen. Und um Mülltrennung und Müllvermeidung soll es in den kommenden Monaten gehen.
 
Mittags gibt es passend zum Tagesthema eine leckere Kartoffelsuppe.

Jeden Tag wird in der Kita St. Elisabeth frisch gekocht

Ein Klingeln unterbricht das Gespräch. „Da kommen unsere Ostereier“, verrät Monika Schröpfer. Die erhält der Kindergarten – genau wie seine Milchprodukte, Geflügelfleisch und Saison-Gemüse vom nahe gelegenen Lohwiesenhof – ganz im Sinne der Initiative. Denn gekocht wird in der Kita St. Elisabeth jeden Tag frisch. „Das ist einfach eine andere Qualität“, ist die Kindergartenleiterin überzeugt. „Und die Kinder können sich auch mal ein Essen wünschen oder zur Küche reinschauen, ähnlich wie zu Hause.“

„Das Fleisch ist zwar etwas teurer, das gibt es dann aber einfach nicht so oft“, erläutert Monika Schröpfer weiter. Und die Fünf-Liter-Eimer, in denen die Milchprodukte angeliefert werden, könnten zurückgegeben und wiederverwertet werden. Überall ließen sich Verpackungen zwar nicht vermeiden, aber auch die Eltern seien mit im Boot, wenn es darum gehe, in der Vesperbox der Kinder möglichst auf Verpackungen zu verzichten.

Inzwischen ist es kurz nach 11 Uhr, für die Krippenkinder steht da schon das Mittagessen auf dem Tisch. Und wie es der Zufall so will: Passend zum Einpflanzen der Kartoffeln hat die Köchin heute nicht nur einen Quark-Griesauflauf, sondern auch eine Kartoffelsuppe auf den Speiseplan gesetzt.
 
Kirsten Zimmerer
 
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