Tag 2: Eine Busfahrt mit Maria und ein Lichtermeer in Lourdes

29.07.2023 |

Heute steht ein langer Reisetag bevor: Von Clermont Ferrand geht es in den Marienwallfahrtsort Lourdes. Unterwegs frischen wir unser Wissen über Maria auf. Gut vorbereitet verbringen wir den Abend mit hunderten Pilgerinnen und Pilgern im Kerzenschein.

Ausgeruht und mit Brötchen, kleinen Croissants und Pain au chocolat gestärkt geht es um 8:30 Uhr zurück in den Reisebus. Aber bis zum nächsten Stopp dauert es nicht lange, denn ein Pilgertag erfordert auch ein bisschen Vorbereitung – für mittags ist ein gemeinsames Picknick geplant und die Wasservorräte aus dem Schwarzwald gehen langsam zur Neige.
 
Damit es uns unterwegs an nichts mangelt, übernimmt jede und jeder in Kleingruppen eine Aufgabe. Das Catering-Team und das Wasser-Team haben heute ihren ersten Einsatz: Ausgestattet mit Baguettes, Schinken und Salami, Käse, Gurken und Tomaten, Bananen und Trauben, Madeleines, Schokolade und großen Wasserkanistern kehren sie vom Supermarkt zurück.
 
Das Catering-Team nach getaner Arbeit. Für den Einsatz gibt es später einen großen Applaus.
 
Ein langer Tag im Bus steht uns bevor: Von Clermont Ferrand bis nach Lourdes am Fuße der Pyrenäen sind es etwa 550 Kilometer. Reichlich Zeit, um sich auf den Marienwallfahrtsort vorzubereiten und Maria als Person besser kennenzulernen. Denn gerade Maria entfacht das Interesse vieler Christinnen und Christen immer wieder aufs Neue, geprägt von der Frage: Was sehe ich in dieser Person?
 
Einer Person, der in der Bibel gar nicht so viel Raum eingeräumt wird. Nur Matthäus und Lukas geben in ihren Evangelien tiefere Einblicke zu Maria, weil sie auch die Kindheit Jesu beschreiben. Doch auch ihre Aussagen beziehen sich meist auf Jesus. Und doch kommt Maria in der Katholischen Kirche eine große Bedeutung zu. „Maria hat etwas Mütterliches, Menschliches – während Jesus, der am Kreuz hängt, vielen eher Angst macht“, erklärt Priester Julian Donner.
 
Maria ist es auch, die der jungen Bernadette am 11. Februar 1858 zum ersten Mal in Lourdes begegnet. Die Gottesmutter begegnete dem Bauernmädchen noch weitere siebzehnmal an der Grotte, die damals eine Müllhalde war und stellte sich als die „unbefleckte Empfängnis“ vor. Etwa sechs Millionen Pilger kommen heute jährlich nach Lourdes, um Maria zu verehren und ihre Bitten vorzubringen.
 
Auch wir sind gespannt, was uns in dem kleinen Städtchen erwartet. Gegen 18 Uhr kommen wir an unserer Unterkunft – einem großen Zelt – etwas oberhalb des Heiligtums an. Priska Mere, die aus Indonesien kommt und nun in Freiburg lebt, freut sich ganz besonders auf unseren Abend in Lourdes:
 
„In meiner Heimat ist es für viele Menschen ein Ziel, einmal nach Lourdes zu kommen. Viele richten ihre Wünsche an Maria. Auch meine Eltern haben mir immer gesagt, dass ich unbedingt hierher gehen soll. Lourdes ist ein sehr magischer Ort.“
 
Hungrig brechen wir auf in die Stadt, freuen uns auf eine warme Mahlzeit – und werden enttäuscht. Für uns stehen drei Kartons mit Lunchtüten bereit: Es gibt Nudelsalat mit Thunfisch, Leberpastete, ein etwas trockenes Brötchen, Chips, zwei Kekse und Dosenobst. Naja. Ich verschenke mein Obst und bekomme Kekse geschenkt. Letztlich wird jeder satt. Nur Leberpastete gibt es noch auf Vorrat.
 
Dafür erleben wir, wie die Abendsonne das Heiligtum von Lourdes in goldenem Glanz erstrahlen lässt. Wir versammeln uns zur Lichterprozession, die in den Sommermonaten täglich um 21 Uhr stattfindet. Der vorher noch menschenleere Platz ist nun gut gefüllt, mehrere hundert Menschen haben sich versammelt. Alle halten eine lange weiße Kerze mit einem Kerzenschirm aus gelbem oder weißem Papier in den Händen, geben sich gegenseitig das Licht weiter.
 
Hunderte Menschen nehmen mit uns an der Lichterprozession teil. In den Sommermonaten findet diese jeden Tag um 21 Uhr statt.
 
Gemeinsam wird gesungen, gelaufen und gebetet – auf Spanisch, Italienisch, Deutsch und Englisch. Anfangs fällt es mir schwer, dem Stimmengewirr zu folgen. Es ist die bisher größte Prozession meines Lebens und ich muss mich erstmal einfinden, die Situation auf mich wirken lassen. Anderen geht es ähnlich. Wir laufen einen großen Bogen, zunächst mit dem Rücken zur Kirche, später mit direktem Blick darauf. Wenn wir den Refrain „Ave, ave, ave Maria“ singen, halten hunderte Menschen ihre Kerzen in die Höhe. Der Anblick berührt mich und meine Mitpilgerinnen:
 
„Für mich war es toll, diesen besonderen Moment mit so vielen verschiedenen Menschen gemeinsam zu erleben“ , sagt Hannah, Teilnehmerin an der Pilgerreise.
 
„Diese Kraft und das Vertrauen, die hier spürbar sind, die sind an dem gemeinsamen Prozessieren besonders schön. Eben nicht das allein sein, sondern die Kraft der Gemeinschaft“, sagt Susanne Spiess, Referentin für Berufungspastoral.
 
Inzwischen ist es dunkel geworden. Unsere Kerzen leuchten uns noch den steilen Weg zurück in unser Lager. Nach einem langen Tag gehen im Zelt die Lichter aus. Auch ich klappe den Laptop zu. Die Gedanken an das Lichtermeer bleiben.
 
Hunderte Menschen halten  Kerzen in die Höhe und singen - ein unvergesslicher Anblick.
Drei Dinge, die ich heute mitnehme …
Wort des Tages: Flügel
Lied des Tages: Weite Räume meinen Füßen
Erkenntnis des Tages: Keiner glaubt allein.
 
Helena Gennutt
 
 


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