Tag 3: Von einer kalten Nacht und einem Morgen in Lourdes
29.07.2023 |
So schnell lässt uns Lourdes nicht los: Am Vormittag schlendern wir durch Souvenirläden, besichtigen Kirchen und feiern mit anderen jungen Menschen einen Gottesdienst. Natürlich trinken wir auch vom Quellwasser, dem besondere Heilkraft zugeschrieben wird.
Die Nacht ist kalt. Ich friere. Rechts von mir raschelt ein Schlafsack, jemand mummelt sich noch fester ein. Auch die anderen frieren. Mit Pullover, Fleecedecke im Schlafsack und dicken Socken geht es gerade so. Trotzdem bin ich froh, als die Nacht vorüber ist. Bis zum Frühstück ist noch Zeit und ich nutze den Morgen für einen Spaziergang über das Gelände: Beim Anblick der Morgensonne, die die noch leicht in Nebel gehüllte Stadt in ein goldenes Licht taucht, ist die Müdigkeit schnell vergessen.
Bei diesem Ausblick rücken Müdigkeit und Kälte in den Hintergrund.
Wieder heißt es Aufbruch: Isomatten werden zusammengerollt, Handtücher zum Trocknen in die Sonne gelegt, Klamotten zurück in den Rucksack gestopft. Während unser Busfahrer unsere Ausstattung abholt, haben wir Zeit, uns noch ein wenig in Lourdes umzuschauen.
Souvenirläden mit Pilgerandenken reihen sich hier dicht an dicht. Rosenkränze, Marien-Wasserflaschen, Postkarten, Räucherstäbchen, T-Shirts. Nach einer kurzen Shopping-Tour zieht es uns in die Touristeninformation, wo wir einen Stempel für unseren Pilgerausweis bekommen. Den ersten, den wir uns selbst abholen.
Mit jungen Menschen aus aller Welt feiern wir an der Grotte in Lourdes einen Gottesdienst.
Um 11 Uhr feiern wir gemeinsam mit anderen Weltjugendtags-Pilgerinnen und -Pilgern eine Jugendmesse an der Grotte. „Wer nicht jung ist, möge bitte Platz machen“, wird explizit gebeten. Alte Menschen in blauen Rollstühlen werden aus dem abgesperrten Bereich geschoben.
Kranke und gebrechliche Menschen gehört in Lourdes besondere Aufmerksamkeit. Denn der Quelle, die aus den Felsen nahe der Grotte entspringt, werden heilsame Kräfte zugeschrieben. An Wasserstationen rund um das Heiligtum trinken Menschen das Wasser oder füllen es für später ab. Andernorts kann sogar in diesem Wasser gebadet werden. Manch einer erhofft sich dadurch eine Wunderheilung.
Die erste erfuhr Catherine Latapie, die ihren gelähmten Arm nachts in das Quellwasser gehalten haben soll und ihn daraufhin wieder bewegen konnte. Mehr als 7000 solcher Heilungen sind dem medizinischen Büro des Heiligtums gemeldet, von noch weit mehr Wundern wird berichtet. Doch nicht alles gilt als Wunderheilung: In der Vergangenheit wurden lediglich siebzig Heilungen durch die Katholische Kirche offiziell anerkannt.
Nichtsdestotrotz zieht der Ort unzählige Pilgerinnen und Pilger an. Bei der Jugendmesse treffen wir auf Menschen aus Österreich, Singapur und den USA. Erkennbar an Fahnen, T-Shirts und Tüchern. Wie wir sind sie unterwegs nach Lissabon.
Statt Liebesschlössern hängen in Lourdes Rosenkränze an einer Brücke. Für uns ist es nun an der Zeit, weiterzuziehen. Auf Wiedersehen Lourdes!
Noch einmal dürfen wir uns über eine französische Lunchtüte freuen, bevor wir uns von Lourdes verabschieden. Wir lassen die Verkehrsströme und Pilgermassen hinter uns. Fahren am Nordrand der Pyrenäen entlang, der die Grenze zwischen Frankreich und Spanien markiert. Alle reichlich müde, der halbe Bus schläft. Wenn wir das nächste Mal halten, sind wir schon in Spanien.
Große Umpack-Aktion für den Pilgertag: Morgen begleitet uns der Reisebus nicht - daher muss alles Wichtige für die nächsten zwei Tage kompakt verstaut werden.
Hinweis: Morgen pilgern wir auf dem spanischen Jakobsweg von Pamplona nach Puente la Reina und nehmen nur das Nötigste mit. Der Blog zum morgigen Tag folgt am Montag.
Drei Dinge, die ich heute mitnehme …
Gefühl des Tages: Die Zeit beginnt zu verschwimmen – sind wir wirklich erst drei Tage unterwegs?