Tag 5: Auf den Spuren von Teresa von Ávila

01.08.2023 |

Wir rollen wieder: Von Puente la Reina geht es für uns mit dem Bus weiter nach  Ávila. Dort lebte vor etwa 500 Jahren die Heilige Teresa von Ávila. Wer durch die Stadt spaziert, trifft auch heute noch auf ihre Spuren.

„Klasse, euch wiederzuhaben! Der Bus und ich alleine, das ist dann doch nichts“, begrüßt uns unser Busfahrer Bernward Lindinger am Morgen. Schnell richten wir uns wieder in unserem Wohnzimmer ein. 450 Kilometer auf der Straße stehen uns bevor. Doch die Busfahrten haben sich in den letzten Tagen als erstaunlich kurzweilig erwiesen. So auch diesmal.
 
Wir starten wie gewohnt mit einem gemeinsamen Morgengebet – auch dafür gibt es ein Team unter den Teilnehmenden. „Zum Leben gehört immer beides, sowohl das Gute als auch das Schwierige“, sagt Lisa Seeger durch das Busmikrofon. Darum müsse ein Gebet auch nicht immer fröhlich und voller Dank, sondern könne auch mal klagend sein – und trotzdem eine Beziehung zu Gott aufbauen.
 
Teresa vergleicht die Seele mit einer "inneren Burg". Das erinnert an die Stadtmauern von Avila, ihrem Heimatort.
 
Eine, die eine tiefe persönliche Freundschaft mit Jesus pflegte, war Teresa von Avila. Im Jahr 1515 geboren, lebte sie zur Zeit der Entdecker und Glaubenssuchenden in Spanien. Sie wuchs in einer großen Familie auf und lernte – für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich – als Kind lesen und schreiben. Schon als kleines Mädchen hatte sie einen tiefen Glauben. Sie soll sich mit sieben Jahren einmal aufgemacht haben, um als Märtyrerin zu sterben und so schneller in den Himmel zu kommen.
 
Doch sie rang auch mit Gott, musste sich Krisen und inneren Widerständen stellen. Wendepunkt ihres Lebens soll eine Bekehrung vor dem Bild des leidenden Jesus an der Geißelsäule gewesen sein. Von da an setzte sie ihr ganzes Vertrauen auf Gott, übte sich im inneren Gebet und im Schweigen. 15 Schwestern- und zwei Männerklöster gründete sie in ganz Spanien. Weil Frauen zu dieser Zeit keine Rechte hatten, erhielt sie dafür auch Kritik, wurde angefeindet und verdächtigt. Nach kurzer, aber schwerer Krankheit starb sie 1582.
 
In Avila begegnet man Teresa noch heute. Ihr Bild von der „inneren Burg“ erinnert an die Stadtmauer. Diese ist mehr als 2500 Meter lang und bis zu zwölf Meter hoch. Für Teresa war diese Burg die menschliche Seele und durchs Gebet lässt sich in die inneren Gemache vordringen.
 
 
Die Kathedrale von Avila ist Teil der Stadtmauer. Beim Bau ging eines Tages das Geld aus, deswegen ist der rechte Turm unfertig.
 
In den Mauergürtel um die Altstadt eingeschlossen, ist die Kathedrale von Avila. Wir haben Glück und dürfen das gewaltige Bauwerk als Pilgerinnen und Pilger kostenlos besichtigen. Jorge, der sich als Freiwilliger um unsere nächtliche Unterbringung in einer großen Turnhalle kümmert, gibt uns spontan eine Stadtführung. „Diese Kirche zu bauen, war ein so großes Projekt, dass zu irgendeinem Zeitpunkt kein Geld mehr da war – deswegen wurde der rechte Turm nie fertig gebaut.“ Auch eine silberne Monstranz im Museum der Kathedrale fasziniert uns. In dieser Größe haben wir das noch nie gesehen. Bei Prozessionen ähnlich unserem Fronleichnams-Fest tragen die Spanier die Monstranz durch die Stadt.
 
Eine Monstranz von dieser Größe ist für uns Deutsche sehr ungewöhnlich.
 
Viel zu schnell wird es wieder Abend. Neben all den Aufbrüchen und schönen Momenten, begleitet uns auch das Gefühl, noch ein bisschen länger bleiben, noch ein bisschen mehr Zeit an den einzelnen Orten verbringen zu wollen. Wir lassen unseren Tag mit Tapas ausklingen und beobachten den Sonnenuntergang von der Stadtmauer.  Auf der einen Seite verschwindet die Sonne hinter den Hügeln, auf der anderen steht bereits der runde Mond über der Stadt.
 
Der Tag verabschiedet sich, über Avila ist schon der Mond aufgegangen.
Drei Dinge, die ich heute mitnehme ...
Harte Nuss des Tages: Arbeiten ohne Strom ist als (Online-)Journalistin nahezu unmöglich.
Vorfreude des Tages: Morgen kommen wir schon in Lissabon an!
 
Helena Gennutt
 
 

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