Mit neuer Energie und einer Katechese (Einführung in den Glauben) starten wir in den Tag. Schon zur Mittagszeit füllen sich die Straßen rund um den Parque Eduardo VII, denn heute wird hoher Besuch erwartet: Papst Franziskus eröffnet den Weltjugendtag offiziell.
Heute haben wir uns wieder eilig auf den Weg gemacht und das Frühstück auf unterwegs verschoben, um rechtzeitig zur Katechese an der Universität zu sein. Etliche junge Erwachsene aus Deutschland und Österreich sitzen bereits auf dem Boden vor der Bühne. Bevor es inhaltlich losgeht, weist das Moderations-Team auf die Trinkwasser- und Sonnencreme-Stationen hin – denn es ist ganz schön heiß in Lissabon und der Platz bietet wie die meisten Veranstaltungsorte keinen Sonnenschutz.
Hunderte Jugendliche haben sich zu einer deutschsprachigen Katechese vor der Universität versammelt.
„So wie ihr gerade hier seid und was ihr mitbringt, ist gut – egal ob ihr fröhlich seid oder euch eher nach weinen ist“, heißt uns das Moderations-Team willkommen. Aber wenn es mal nicht läuft, wenn man Sorgen hat, dann ist es gut, wenn man sich mit jemandem austauschen kann, wenn man den Mut dazu aufbringt.
So wie es Maria in der biblischen Wundererzählung „Hochzeit zu Kana“ getan hat: Sie bemerkt, dass der Wein zur Neige geht und „ohne Wein kein Fest“, fasst es Bischof Bertram Meier aus dem Bistum Augsburg zusammen. Ein Schlamassel. Doch Maria übernimmt Verantwortung, obwohl sie eigentlich nicht zuständig ist. Sie spricht mit ihrem Sohn Jesus in der Gewissheit, dass sich eine Lösung finden wird. Der scheint sie zurückzuweisen, aber nimmt die Sache doch in die Hand und verwandelt das Wasser in den Krügen zu Wein. Es ist das erste Wunder, das Jesus vollbringt.
Wir tauschen uns darüber aus, ob wir ähnliche Situationen in unserem Leben kennen – in denen wir auf andere zugegangen sind oder in denen das hätte helfen können. Gar nicht so einfach, möchte man Probleme häufig zunächst mit sich selbst ausmachen. Oft gehen vor lauter negativer Gedanken die positiven Dinge, die man bereits erreicht hat, unter. Dabei zeigt sich oft, dass andere ähnliche Probleme oder sogar einen Tipp haben.
„Guter Rat ist teuer. Wo holen wir uns Rat? Hoffentlich nicht nur im Internet, sondern bei Personen, denen wir vertrauen“, gibt Bischof Bertram Meier zu bedenken und hält sein „Seniorenhandy“ in die Höhe. Mit dem könne man Fotos machen, aber Apps gebe es da nicht. Wir müssen lachen. Einige Minuten später vergießt eine Frau neben mir mit blauen Haaren und gesenktem Kopf still ein paar Tränen. Egal welche Gefühle einen umtreiben, in diesem Moment sind alle in Ordnung.
Das Gute an der Katechese ist auch: Wir müssen unser Mittagessen nicht erst suchen. In der nahegelegenen Mensa gibt es ein Menü für alle Pilgerinnen und Pilger. Zurück am Parque Eduardo VII nehmen bereits die ersten Menschen ihre Plätze ein. Heute sind die Straßen rund um das Veranstaltungsgelände mit Absperrgittern gesäumt, denn der Papst wird am Abend die Jugendlichen aus aller Welt begrüßen – und umgekehrt. Viele bringen große Fahnen mit, um zu zeigen, wo sie herkommen und welchen Weg sie auf sich genommen haben.
Hunderttausende haben sich versammelt, als Papst Franziskus gegen 17 Uhr auf dem Gelände eintrifft und mit dem Papamobil durch die Reihen fährt. Die Stimmung ist erwartungsvoll: Jede und jeder möchte Papst Franziskus sehen, erhofft sich, dass er möglichst nah an einem vorbeifährt. Ich habe Glück und stehe nur wenige Meter von ihm entfernt.
Der Startschuss zur Eröffnungsfeier ist gefallen: Bunte Bänder fliegen über die Köpfe der jungen Menschen hinweg.
Kurz darauf beginnt die Eröffnungsfeier des Weltjugendtags mit dem Papst. Als der Startschuss fällt, fliegen lange bunte Bänder in die Höhe, die über die Köpfe der jungen Menschen hinwegschweben. Als Papst Franziskus sich zu seiner Ansprache erhebt, ertönt lauter Jubel.
Für den Weltjugendtag wünscht er den Anwesenden: „Mögen es Tage sein, in denen wir in unseren Herzen einprägen, dass wir so geliebt sind, wie wir sind. Dies ist der Ausgangspunkt des Weltjugendtags, aber insbesondere der des Lebens.“ Die Menge applaudiert, manche formen mit den Händen ein Herz. In der Kirche gebe es Platz für alle. „Und wenn es keinen gibt, dann sehen wir bitte zu, ihn zu schaffen, auch für die, die Fehler machen, die fallen, die Mühe haben.“ Erneut lautes klatschen, hier und da umarmen sich Menschen, freuen sich über die Worte des Papstes.
Auf der abgestuften Bühne präsentieren Tänzerinnen und Tänzer in farbenfrohen Outfits eine Choreografie. Ein junger Mann in grasgrüner Sportkleidung springt einen Salto. Einige verschwinden für einen Moment und kehren mit großen weißen Flächen über ihren Köpfen zurück. Als sie diese vor sich abstellen, steht dort „I am sending you“ („Ich schicke dich“). Noch einmal formieren sie sich neu, weitere Buchstaben kommen hinzu und beenden die Feier mit den Worten: „The Kingdom of God has come near to you“ („Das Reich Gottes ist dir nahegerückt“). Langsam wir Papst Franziskus im Rollstuhl von der Bühne geschoben.
Die internationalen Teilnehmenden sind begeistert von diesem Empfang:
Ich war aufgeregt und stolz, Papst Franziskus zu sehen und mit ihm zu feiern!
Die Rede von Papst Franziskus war perfekt! Er hat super gesprochen und ich bin sehr glücklich hier zu sein. Es ist fantastisch so viele Menschen aus verschiedenen Ländern zu sehen und zusammen für den Papst zu singen. –Martina, Argentinien
Das ist das erste Mal, dass ich Papst Franziskus gesehen habe – ein brillanter Tag! Seine Rede war sehr ermutigend, weil er gesagt hat: Wir sind gut, so wie wir sind und Gott liebt uns, wie wir sind. –Celine Acosta, Philippinen (im Bild vorne rechts)