Tag 11: Große Hitze und große Erschöpfung

08.08.2023 |

Mit einem morgendlichen Wecker der anderen Art und einem Gottesdienst mit dem Papst geht der Weltjugendtag zu Ende. Der Rückweg zum Reisebus fordert uns heute besonders.

Um halb sieben ist es noch ruhig auf dem Feld: Während die Sonne langsam hervorbricht, schlafen die meisten noch.
 
Um kurz vor sieben Uhr weckt laute Techno-Musik die noch Schlafenden aus ihrer Ruhe: Ein DJ-Priester legt auf. Der Bass dröhnt aus den Lautsprechern. Wie weckt man um die eine Million Menschen? Das scheint die Antwort zu sein. Einige feiern die Musik, andere fluchen über die Beschallung am Morgen. Zum Glück bin ich bereits vorher aufgewacht. Denn an den aufgestellten mobilen Toilettenkabinen bilden sich nun lange Schlangen.
 
Schon am frühen Morgen meint es die Sonne gut mit uns. Die Freiburger Gruppe (vorne im Bild) versucht sich während des Aussendungsgottesdienstes mit Hüten und einem Sonnenschirm zu schützen.
 
Um neun Uhr beginnt der Aussendungsgottesdienst, die letzte große Feier für diesen Weltjugendtag. Rund 1,5 Millionen Menschen sind in den Tejo-Park gekommen, um mit dem Papst zu feiern. Etwa 700 Bischöfe und 10 000 Priester konzelebrieren, feiern also gemeinsam, wie ich später lese. Der Papst ruft uns und alle mit uns Versammelten dazu auf, die Freude des Weltjugendtags mit nach Hause zu nehmen und dort Gutes zu tun. „Wenn wir als Egoisten nach Hause zurückkehren, erlöscht das Licht, das wir von hier mitnehmen.“ Der Papst fordert uns auf, uns für den Frieden in der Welt einzusetzen und teilt einen großen Traum mit uns allen: „Es ist der Traum vom Frieden, der Traum von jungen Menschen, die für den Frieden beten, in Frieden leben und eine Zukunft des Friedens aufbauen.“
 
Zum Ende des liturgischen Teils der Messe wird es noch einmal spannend: Wo wird der nächste Weltjugendtag stattfinden? Der Papst hält die Spannung aufrecht, lädt zunächst zum Heiligen Jahr 2025 nach Rom ein. Dann soll dort ein internationales Jugend-Event stattfinden. Bis zum nächsten Weltjugendtag dauert es dagegen noch ein wenig: Der Papst lädt uns und alle Versammelten 2027 nach Seoul in Südkorea ein.
 
Der Weltjugendtag geht zu Ende. Ein Teil der Rucksäcke ist bereits gepackt, Isomatten und Schlafsäcke wieder eingerollt. Doch wenn so viele Menschen gleichzeitig aufbrechen, dann dauert der Rückweg zu Flugzeug, Bahn oder Bus.
 
Damit geht der 37. Weltjugendtag zu Ende. Ein letztes Mal tönt die Weltjugendtags-Hymne aus den Lautsprechern. Wir hieven die bereits gepackten Rucksäcke in die Höhe und bahnen uns einen Weg durch die Menschenmassen. Um zusammenzubleiben, halten wir uns zeitweise am Rucksack der Person vor uns fest, bewegen uns als lange Menschenschlange vorwärts. Schon am Vormittag scheint die Sonne gnadenlos auf uns Pilgerinnen und Pilger herab. Der Weg über die mehrspurige Autobahn fordert uns. Bis auf die wenigen Brücken zwischendurch gibt es keinen Schatten. Dort tummeln sich Menschen zu einer Rast. Wir ziehen weiter, möchten möglichst schnell zum Bus. Doch es dauert. Zwei Stunden sind wir letztlich unterwegs – und das, obwohl wir bereits eine kleine Abkürzung nehmen.
 
Unser Busfahrer Bernward Lindinger fährt so nah wie nur möglich an das Gelände heran und liest uns auf. Wir sind fix und fertig. Es dauert nicht lange, bis nahezu der ganze Bus schläft. Trotz Klimaanlage ist es warm, laut Busthermometer steigen die Temperaturen draußen zwischendurch auf über 40 Grad. Während wir ruhen, heißt es auf Wiedersehen Portugal. Unser Busfahrer bringt uns wohlbehalten nach Salamanca im Nordwesten Spaniens. Um etwa halb neun kommen wir an. Wir beziehen unsere Zimmer und springen einer nach dem anderen unter die Dusche. Schichten von Dreck, Schweiß und Sonnencreme waschen wir ab, schlüpfen in frische Kleidung. Selten hat sich das so gut angefühlt.
Drei Dinge, die ich heute mitnehme …
Harte Nuss des Tages: Unser Rückweg in der prallen Sonne mit relativ schwerem Gepäck
Frage des Tages: Was kann die Kirche von mir lernen?
 
Helena Gennutt
 
 
 


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