In einem feierlichen Gottesdienst wurde der NS-Märtyrer Max Josef Metzger in Freiburg seliggesprochen. Schon lange wird der Freiburger Diözesanpriester als Pazifist und Glaubensvorbild geehrt. Künftig wird seiner am 17. April gedacht, „kraft Apostolischer Vollmacht“.
Beschwingt und inspiriert: Kurienkardinal Kurt Koch und Erzbischof Stephan Burger beim Auszug mit großem Gefolge.
Aufs Feiern verstehen sich die Katholiken, das fängt schon beim festlichen Einzug in das Gotteshaus an, seinerseits ein prachtvoller Raum. Wohl dem Bistum, das über eine so erhabene Kathedrale verfügt, wie das Freiburger Münster es ist, auferbaut über dreieinhalb Jahrhunderte von ungezählten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt! Die Zünfte haben dem Münster prachtvolle Fenster gestiftet, durch die an diesem Sonntagmorgen das Sonnenlicht einfällt und rot-goldene, grüne und blaue Muster auf den Sandstein zeichnet. Die Kirche ist brechend voll, Hunderte Gläubige wollen mittendrin sein und am Volkstrauertag ein Ausnahmeereignis mitverfolgen, wie es das Erzbistum Freiburg seit seiner Gründung noch nicht erlebt hat.
„Seit der Eröffnung des Prozesses zur Seligsprechung im Jahr 2006 waren wir voller Hoffnung“, sagt Erzbischof Stephan Burger. Und beschreibt die große Freude über die Nachricht vom 14. März aus dem Vatikan: „grünes Licht“ für die Seligsprechung von Max Josef Metzger, Märtyrertod anerkannt. Freude, die auch in der anschließenden Bitte des Freiburger Oberhirten an den Abgeordneten des Papstes mitschwingt, den Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch: „Im Namen der Gläubigen sowie des Klerus, bitte ich Sie als Erzbischof der Erzdiözese Freiburg, den hier versammelten Gläubigen den seligen Max Josef Metzger vorzustellen.“
„... bringst du, selig mit den Seligen, deinem Heiland Hymnen dar“
Bevor der Kardinal, stellvertretend für den Papst, seines Amtes waltet, bietet der aus Hechingen stammende Rechtswissenschaftler und Staatskirchenrechtler Stefan Mückl, römisch-katholischer Priester der Personalprälatur Opus Dei, eine Kurzfassung des an Stationen überreichen Lebenslaufes Metzgers. Einiges davon spiegelt sich auch im Apostolischen Schreiben, das der Kardinal als päpstlicher Vertreter verliest: „Auf Wunsch unseres Bruders Stephan Burger, Metropolit und Erzbischof von Freiburg, sowie zahlreicher weiterer Brüder im Bischofsamt und vieler Christgläubigen und auf Anraten des Dikasteriums für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse und kraft unserer Apostolischen Vollmacht bestimmen wir, dass der Ehrwürdige Diener Gottes, Maximilian Joseph Metzger, Diözesanpriester, Märtyrer, Gründer des Säkularinstitutes der Christkönigsgesellschaft und bis zum Vergießen seines Blutes evangeliumsgemäßer Zeuge Christi, des Königs der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens, von nun an als Seliger angerufen werde und am 17. April, dem Tag, an dem er in den Himmel eingegangen ist, jedes Jahr gefeiert werden kann, wie im Partikularrecht festgesetzt. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Gegeben zu Rom im Lateran am 17. Oktober im Jahr des Herrn 2024, dem 12. Jahr unseres Pontifikates“, Unterschrift: „Franziskus“.
In einer kurzen Ansprache, wie später in seiner Predigt, würdigte Kardinal Koch den neuen Seligen als prophetischen Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit. Max Josef Metzger sei auch heute Vorbild dafür, in einer zerrissenen Welt im Widerspruch und im klaren Widerspruch zu grassierenden Ideologien zu leben und die Gesellschaft zu gestalten. „Bitten wir den seligen Max Joseph Metzger in der himmlischen Welt der Märtyrer um Fürsprache“, sagte Koch und überreichte die Seligsprechungsurkunde an den Freiburger Erzbischof Stephan Burger. „Möge der neue Selige Fürsprecher bei Gott für Frieden und Einheit sein, die wir heute so dringend benötigen“, sagte Burger. Und entrichtet seinen Dank an den in Rom weilenden Heiligen Vater, wie der Papst auch genannt wird.
Annemarie Bäumler, Generalleiterin des Christkönigs-Instituts in Meitingen, überreicht Erzbischof Stephan Burger ein Messgewand Max Josef Metzgers.
Bei der feierlichen Enthüllung des großen Porträtfotos im Altarraum, bis dahin unter weißem Tuch verborgen, wird auch das Reliquiar Max Josef Metzgers in den Altarraum getragen, es wird im Archiv des Bistums Magdeburg aufbewahrt. Die Reliquien sollen bis zur Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2025 im Erzbistum Freiburg verbleiben – als Leihgabe. Ein Lied erklingt, dessen Melodie von Max Josef Metzger stammt. Den Text hat freilich ein noch lebender Zeitgenosse verfasst, Meinrad Walter vom Amt für Kirchenmusik: „Seliger Max Josef Metzger, froh in der Erlösten Schaar, bringst du, selig mit den Seligen, deinem Heiland Hymnen dar ...“, heißt es in der ersten Strophe. Momente, die nicht ohne Grund an das „Ecce crucis“ der Karfreitagsliturgie erinnern. Nur würde der Ruf bei Max Josef Metzger anders lauten, vielleicht so: Seht, dieser Mensch war Gottes Sohn! Selten wird bedacht, viel zu oft vergessen (oder verdrängt): Wer getauft ist, ist bereits aufgenommen in die Gemeinschaft der Heiligen und Seligen. Ein Ereignis wie diese Seligsprechung eignet sich, diesen Glauben wieder zu erinnern. „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das (Gottes) besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“, heißt es im ersten Petrusbrief ... Davon dürfte Metzger, für den es nur einen König geben konnte, tief überzeugt gewesen sein: Christus ist König!
Max Josef Metzger stammte aus Schopfheim und gründete nach dem Ersten Weltkrieg mehrere katholische Friedensgruppen. Auch setzte er sich für den Dialog zwischen den christlichen Kirchen ein. Was für ein großartiges Zeichen deshalb, dass bei der Seligsprechung die Spitzen der badischen und der württembergischen Landeskirche sichtbar und prominent vertreten waren: Landbischöfin Heike Springhart, Prälat Marc Witzenbacher und Oberkirchenrat Ulrich Heckl standen vor dem Hochaltar und verfolgten ein katholisches Hochamt in all seiner Pracht: Weihrauchfässer, zum „Te Deum“ im Kreis gewirbelt, Glöckchen die zum neuen Metzger-Hymnus klingeln …
Was aus den vielen Ansprachen außerdem hervorgeht: wie viele engagierte Menschen es braucht, um ein Seligsprechungsverfahren zunächst in Gang zu bringen, durchzuführen und die Hoffnung auf Entsprechung durchzuhalten. Bis der wegen seines Widerstands gegen die Nazi-Ideologie hingerichtete Priester Max Josef Metzger offiziell anerkannt und damit beglaubigt wird, was er ist: ein Mensch wie du und ich, der heiligmäßig gelebt und seinen Glauben bezeugt hat – bis zur Ermordung.
Porträt und Reliquie: Die sterblichen Überreste des Seligen bleiben einige Monate im Erzbistum.
Die Lesungstexte am 33. Sonntag, schon auf der Zielgeraden des Kirchenjahres, handeln von Zeiten der Not: im Buch Daniel klingen apokalyptische Töne. „In Max Josef Metzger begegnen wir einem Glaubenszeugen, der zu der Wolke von Zeugen gehört, von denen der Hebräerbrief spricht“, sagt Landesbischöfin Heike Springhart. „Er gehört zu der Wolke von Zeugen, die uns den Weg des Friedens weisen und uns auch heute zurufen: Habt Mut, bleibt in der Hoffnung und lebt den Frieden Christi. Die Sehnsucht nach Frieden ist drängender denn je.“
Im Markusevangelium dräut das Ende der Welt: „Aber in jenen Tagen, nach jener Drangsal, wird die Sonne verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels … Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.“ Auch Max Josef Metzger kannte nicht die Stunde seines Todes. Wie Jesus, „der Sohn“, ihm „gleichgeworden im Tod“, heißt es in der Begräbnisliturgie.
Eine Seligsprechung, das machen diese Feierstunden klar, ist Auferstehungsgottesdienst pur. So grausam das Martyrium als der im Tod bezeugte Glauben ist, so tröstlich ist doch das lebendige Beispiel eines Menschen, der „zur Ehre der Altäre“ erhoben wird. Max Josef Metzger, „Christuszeuge in einer zerrissenen Welt“, hat Bedeutung für die Gegenwart. Sein Leben und seinen Glauben gilt es zu erinnern, nicht nur zu seinem Fest am 17. April, „dem Tag an dem er in den Himmel eingegangen ist“. Sondern hier und jetzt, in Krieg und Frieden, heute und morgen. Feiern verstehen die Katholiken auch außerhalb des Kirchenschiffs: So zu erleben beim anschließenden Empfang im Collegium Borromalum, erneut in bunter ökumenischer Gemeinschaft. Eine Vielfalt in dem einen Glauben, die bereichert.