Symbole des Glaubens

09.12.2024 |

Seit fast 150 Jahren widmen sich die Franziskanerinnen in Gengenbach der Herstellung und Bemalung von Kerzen – für sie eine Form der Verkündigung.

Schwester Margareta arbeitet seit 20 Jahren in der Gengenbacher Kerzenwerkstatt. Vor sieben Jahren übernahm sie die Leitung.
 
Brennende Kerzen erinnern an Christus als das „Licht der Welt“. Die Osterkerze wird im „Exsultet“ sogar eigens besungen und stellt ein ganz besonderes Symbol des Auferstandenen dar. Die Taufkerze zeigt, dass für den Täufling immer ein Licht in der Dunkelheit leuchten wird und deutet an, dass auch ihm Auferstehung verheißen ist. Kerzen gibt es noch für viele weitere besondere Anlässe. Ganz wesentlich für ihren Charakter ist die künstlerische Gestaltung mit entsprechenden Motiven.

Wahre Kunstwerke entstehen Tag für Tag in der Kerzenwerkstatt der Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu in Gengenbach. Solche handbemalten Kerzen sind sonst kaum noch zu finden. Doch Schwester Margareta und ihre Helferinnen Schwester Ulrike und Schwester Grace malen und gestalten hier unzählige Kerzen für Taufe und Erstkommunion, für Hochzeit und Trauerfälle und viele andere Gelegenheiten. Mit ihren Motiven auf den Kerzen wollen sie die Menschen ansprechen. Die Leiterin der Werkstatt, Schwester Margareta, malt beispielsweise sehr gerne Bäume. Diese machen für sie deutlich, dass die Menschen im Glauben verwurzelt sind. Mit den Kerzen könne man dies auch den Kindern deutlich machen. Für Schwester Grace von den Philippinen ist der Baum mit unterschiedlichen Früchten ein Symbol für die unterschiedlichen Talente, die jedem Menschen mitgegeben werden.

Schwester Margareta bemalt bereits seit etwa 20 Jahren Kerzen. Zuvor hat sie im Kloster verschiedene Aufgaben erfüllt. Mit 24 Jahren war sie bei den Franziskanerinnen eingetreten. Sie hatte gespürt, dass sie für die Menschen im Gebet da sein wollte, nicht zuletzt, da sie selbst schon manche Not erfahren hatte. Bei den Franziskanerinnen in Freiburg und dann in Gengenbach begann sie eigentlich in der Hauswirtschaft. Doch bald war Unterstützung in der Stickerei notwendig, wo sie dank ihrer handwerklichen Fähigkeiten gerne mitarbeitete. Nachdem es in der Kerzenwerkstatt Engpässe gab, begann sie hier vor rund 20 Jahren ihre Arbeit mit den Kerzen. Als dann vor sieben Jahren die damalige Leiterin Schwester Roswitha wegen Krankheit ausscheiden musste, übernahm sie verantwortlich die Werkstatt.

Die Nachfrage nach den handbemalten Kerzen ist groß, die Schwestern haben alle Hände voll zu tun, um alle Wünsche zu erfüllen. Jede einzelne Kerze ist eine Herausforderung. „Für die Bemalung einer Kerze brauche ich etwa 3,5 Stunden, aber dann muss es gut laufen“, erklärt Schwester Margareta. Dazu kommt noch die Zeit für die Beschriftung durch Schwester Ulrike. Auch manche Abendstunde verbringt Schwester Margareta beim Bemalen der Kerzen in der Werkstatt. Jedes Jahr verlassen mehr als 400 von Hand bemalte Kerzen das Kloster in Gengenbach, eine beeindruckende Leistung. Für diesen enormen Aufwand ist der Preis für die Kerzen eigentlich relativ niedrig. Doch um Wirtschaftlichkeit geht es den Schwestern nicht: „Ich mache das gern für diesen guten Zweck. Ich tue es aus Liebe und ich freue mich, dass sich auch die Leute an diesen Kerzen erfreuen.“ Für viele Besucher der Werkstatt ist es auch wichtig, dass diese Kerzen ebenso wie die Andachtsgegenstände im Klosterladen schon geweiht sind. Hier werden die Schwestern regelmäßig durch zwei Patres aus dem Haus unterstützt, die damit den Kerzen auch den Segen Gottes mit auf den Weg geben. 

Viele der Motive stammen noch von Schwester Roswitha und sind bis heute gefragt. Aktuell „der Hit“ bei den Käufern sei die Taufkerze mit dem Motiv „Kontinent-Kinder“. Das Motiv mit der lebhaften Kinderschar symbolisiere die Bedeutung des Brückenbauens, dass man aufeinander achtgeben müsse. Doch es gibt nicht nur bemalte Kerzen. Eine Alternative sind Kerzen mit Transferdruck. Dabei wird das von den Schwestern entworfene Bild nach der Herstellung der Kerze direkt mit einem technischen Verfahren auf die Kerze übertragen. Anschließend werden Kerze und Bild mit einer dünnen Wachsschicht überzogen. Die Motive der Gengenbacher Schwestern sind damit sowohl handgemalt als auch als Transferdruck – dann deutlich preisgünstiger – erhältlich.
 
Die Salesianerin Schwester Grace kam vor knapp zwei Jahren von den Philippinen nach Gengenbach – eigentlich zur Mitarbeit in der Pflege. Doch dank ihres Talents bemalt sie inzwischen immer wieder auch Kerzen.

Ein großer Teil der Kerzen aus der Kerzenwerkstatt sind Taufkerzen, die dann oft von den Kindern später auch noch als Kommunionkerze genutzt werden. Oftmals würden, so Schwester Margareta, diese Kerzen zum Geburtstag der Kinder angezündet, nicht zuletzt direkt für die Kinder als Erinnerung an die Taufe. Stark gefragt seien aber auch Hochzeitskerzen. Bei Trauerkerzen steige die Nachfrage derzeit sogar. Immer muss man berücksichtigen, dass für die Bemalung und Beschriftung der Kerzen bis auf Ausnahmefälle ein zeitlicher Vorlauf von etwa vier Wochen notwendig ist. 

Groß ist das Angebot in Gengenbach auch bei Osterkerzen, ebenfalls mit eigenen Motiven. Hier werden jedoch fast nur noch Kerzen mit Transferdruck verkauft. Auch hier wurden aber die Motive von den Schwestern kreiert. Dabei gibt es auch neue Motive, beispielsweise zuletzt von einem Künstler aus der Region oder einer Künstlerin aus den Reihen der Schwestern. Zwar sei es möglich auch Osterkerzen von Hand zu bemalen, erläutert Schwester Margareta. Aber es fehle die Zeit für diese großen Kerzen. Auf besonderen Wunsch werde aber auch jetzt immer mal wieder eine Osterkerze oder eine Kerze für ein Kirchen-Jubiläum von Hand bemalt. Hier brauche die Kerzenwerkstatt allerdings eine Vorlaufzeit von mehreren Monaten.

Schwester Margareta erläuterte dann im Detail, wie aufwendig die Bemalung von solchen Kerzen ist. Wichtig sei schon die Basis, es werden nur Kerzen mit einem Anteil von zehn Prozent Bienenwachs genutzt. Die Motive wurden vor langer Zeit auf Pergament festgehalten, was besonders langlebig ist. Die Konturen sind geprickelt. Über die kleinen Löcher im Pergament wird dann Erdpulver auf die Kerze übertragen, die Linien des Motivs sind jetzt erkennbar. Eine Herausforderung ist dann das Ritzen der Konturen mit einem Linolmesser in das Wachs. Die Kerze wird dann mit schwarzer Patina überzogen und mit Waschbenzin wieder gereinigt. So bleiben in den Kerben die schwarzen Konturen des Motivs. Jetzt müssen die Flächen zwischen diesen Konturen mit den jeweiligen Farben gefüllt werden. Dazu braucht es viel Fingerspitzengefühl, ebenso beim Mischen der relativ schnell trocknenden Ölfarben auf Kreidebasis. Damit wird aber klar, dass jede Kerze ein Unikat wird. Denn kleine Veränderungen im Farbton oder ein etwas anderer Pinselstrich geben dem jeweiligen Bild auf der Kerze einen einmaligen Charakter. So entsteht nach einigen Stunden Arbeit eine wunderschöne Kerze mit leuchtenden Farben.
 
Stefan Heimpel