Traditionell lädt der Erzbischof gleich zweimal zum Neujahrsempfang. Einmal stets nach Freiburg und ein weiteres Mal an einen anderen Ort im Erzbistum. In diesem Jahr fand der „externe“ Neujahrsempfang in Villingen statt.
Persönlich begrüßten Erzbischof Burger und Generalvikar Neubrand die Gäste des Neujahrsempfangs.
Es ist angerichtet. Zopf gibt es. Mit Nuss oder mit Rosinen. Und Kaffee und kalte Getränke. Der kleine Saal des Münsterzen-trums füllt sich immer mehr. Die Männer und Frauen aus den Dekanaten Schwarzwald-Baar, Hegau und Neustadt (Ehrenamtliche und Hauptamtliche), die der Einladung zum traditionellen Neujahrsempfang des Erzbistums gefolgt sind, führen angeregte Gespräche rund um die weißen Stehtische. Währenddessen stehen Erzbischof Stephan Burger und Generalvikar Christoph Neubrand im Eingangsbereich des Münsterzentrums und begrüßen jeden, der noch kommt, persönlich mit Handschlag.
Dann ist kurz vor 16 Uhr. Raumwechsel. Eine Treppe höher geht es in den großen Saal. Schnell sind die Stuhlreihen in der vorderen Hälfte voll, die hintere Hälfte bleibt leer. Das mag auch ein bisschen daran liegen, dass der Neujahrsempfang des Erzbistums an diesem Tag nicht der einzige seiner Art in Villingen-Schwenningen ist, denn parallel findet in Schwenningen auch noch der städtische Neujahrsempfang statt, wie der gastgebende Dekan Josef Fischer in seiner Begrüßungsrede erzählt. „Das muss ich wohl auf meine Kappe nehmen“, gesteht der Dekan. Als das Erzbistum im vergangenen Frühjahr angefragt habe, ob der Neujahrsempfang in Villingen veranstalten werden könnte, habe man sich so darüber gefreut, dass „ich ganz vergessen habe, bei der Stadt anzufragen, ob das terminlich gut passen könnte“. In seiner von einigen Lachern begleiteten Ansprache betont Fischer, wie wichtig es im Hinblick auf den Prozess der Kirchentwicklung 2030 sein wird, diese Veränderungen aus und mit einer inneren spirituellen Haltung zu tragen.
Max Josef Metzger als Vorbild gegen Resignation
„Macht es euch bequem“, sagt Erzbischof Burger dann zu den Musikerinnen und Musikern der Big Band der St. Ursula Schulen, die für die musikalische Gestaltung des Empfangs sorgt, als er ans Rednerpult tritt. Und an das Publikum gerichtet: „Das gilt auch für Sie. Machen Sie es sich bequem.“ Der Erzbischof lässt die Zuhörerinnen und Zuhörer zunächst ein bisschen zappeln. Denn es dauert ein paar Minuten, bis er in seiner Rede auf das Thema zu sprechen kommt, das in den vergangenen drei Wochen für so ein großes Echo gesorgt hat: die Vorkommnisse rund um die Dommusik Freiburg. Was würde der Erzbischof dazu sagen? Würde er es überhaupt ansprechen? Das waren Fragen, die manche der Anwesenden noch wenige Minuten zuvor an den Stehtischen erörtert hatten. Er sagt etwas dazu: „Die Vorkommnisse sind eine belastende Situation für alle Beteiligten. Das gilt auch für mich ganz persönlich.“ Dabei betont der Erzbischof, dass nach vielen Jahren der Auseinandersetzung und der gescheiterten Versuche für ein gedeihliches Miteinander, diese Konsequenzen zu ziehen waren. Dennoch geht sein Blick hoffnungsvoll in die Zukunft, auch weil sich Personen bereitgefunden haben, „die kirchenmusikalische Arbeit fortzusetzen und einen Neuanfang zu ermöglichen“.
Dieser hoffnungsvolle Blick ist der rote Faden, der sich durch die Rede des Erzbischofs zieht. Ganz im Sinne des Heiligen Jahres, das Papst Franziskus unter das Leitwort „Pilger der Hoffnung“ gestellt habe. Diese Hoffnung brauche es auch beim Prozess der Kirchenentwicklung 2030, der in den kommenden Monaten in eine entscheidende Phase trete. „Es geht um die bisherige und um die weitere Ermöglichung des pastoralen Lebens in unseren Gemeinden“, betont Burger. Und nicht um eine „Zentralisierung oder gar um ein Auslöschen kirchlichen Lebens“, wie Kritiker fürchten.
Der Freiburger Oberhirte erwähnt einige hoffnungsfrohe Momente aus dem vergangenen Jahr. Unter anderem die Internationale Ministrantenwallfahrt nach Rom oder die große Wallfahrt mit 700 000 Pilgerinnen und Pilgern zum wundertätigen Christus im peruanischen Lima, die er 2024 miterleben durfte und die ihm in bleibender Erinnerung bleiben werden.
Ein Höhepunkt des Jahres 2024 war für ihn natürlich auch die Seligsprechung Max Josef Metzgers. In seiner Rede führt Erzbischof Burger aus, wie wichtig ein Erinnern an Personen wie Metzger in dieser Zeit ist, in der rechtspopulistisches Gedankengut erstarkt und Krieg, Hass, Gewalt an so vielen Orten zunehmen. Ausführlich geht Burger auf die Biografie und Persönlichkeit Metzgers ein, die uns „gerade heute ein wichtiges Hoffnungszeichen sein“ könne. „Eine starke Stimme gegen die Resignation, wider den ‚Luxus der Hoffnungslosigkeit‘“, zitiert der Erzbischof die Theologin Dorothee Sölle. Denn einstehen, sich einsetzen, Brücken schlagen und nicht abreißen, sich mit Ungerechtigkeiten nicht abfinden, empathisch sein, das sind Verhaltensweisen, die Max Josef Metzger vorgelebt habe.
Auch deshalb sagt Burger zum Ende seiner Rede, nachdem er sich bei allen Anwesenden für ihr Tun und ihren Einsatz bedankt hat: „Sind und bleiben wir bei all unserem Tun Pilger der Hoffnung (...) Lassen wir uns von Gott in dieser Hoffnung auf Leben und Zukunft durch dieses Jahr tragen.“