Vor 50 Jahren wurde in Stuttgart der erste Weltladen eröffnet. Heute gibt es bundesweit rund 900 Weltläden und zahlreiche Gruppen, die sich für den fairen Handel und damit für verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen im globalen Süden einsetzen. Auch im Erzbistum Freiburg.
Begonnen hat die Geschichte der Weltläden Anfang der 1970er-Jahre. Es waren insbesondere junge Menschen, auch und gerade aus den kirchlichen Jugendverbänden, die damals gegen die Ungerechtigkeit im Welthandel demonstrierten. Die „Aktion Dritte Welt Handel“ wurde gegründet und Aktionsgruppen verkauften fair gehandelte Produkte zunächst nach Gottesdiensten und auf Märkten. Am 29. September 1973 wurde schließlich der erste Weltladen in Stuttgart eröffnet. Heute gibt es in Deutschland über 900 Weltläden und mehrere tausend Fair-Handels-Gruppen. Auch im Erzbistum Freiburg engagieren sich viele Menschen für fairen Handel mit dem Ziel, die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Ländern des globalen Südens zu verbessern. Im Folgenden drei inspirierende Beispiele.
Weltladen Freiburg-Herdern
Allerwelt-Schachtel e. V. – schon der Name des Trägervereins des Weltladens Herdern verheißt Vielfalt auf kleinem Raum. Er ist angelehnt an das kleine Regal im Gemeindehaus, mit dem seine Geschichte begann. Die 1978 gegründete „Dritte-Welt“-Aktionsgruppe der katholischen Pfarrgemeinde St. Urban verkaufte zunächst nach Gottesdiensten faire Produkte und machte sich auf dem Herderner Kirchplatz für Umweltschutz und gerechte Welthandelsstrukturen stark. 1989 gab es dann mit der Allerwelt-Schachtel und besagtem Regal im Gemeindehaus einen Vorläufer des heutigen Ladens. 1993 folgte schließlich erstmals ein richtiges Ladengeschäft, das (nach zwei weiteren Umzügen) im vergangenen Juni sein 30-jähriges Jubiläum feiern konnte. Eine enge Kooperation mit der Kirchengemeinde gibt es bis heute. Das Team besteht aktuell aus 25 ehrenamtlich engagierten Personen sowie der hauptamtlichen Koordinatorin Stefanie Osten. Um die Einteilung der Verkaufsschichten mussten sie sich noch nie Sorgen machen, sagt sie, die Nachfrage nach ehrenamtlicher Mitarbeit im Laden ist ungebrochen groß.
Viel Andrang herrschte beim Weltladen-Jubiläumsfest in Herdern.
Neben dem Ladengeschäft gehören jedoch noch zwei weitere wichtige Säulen zur Weltladenarbeit, die ihr ebenfalls sehr am Herzen liegen: Bildungsarbeit sowie politische Kampagnen und Aktionen. Im Bereich Bildung wird aktuell verstärkt mit den Kindergärten und Grundschulen im Stadtteil kooperiert. So beteiligten sich Viertklässler an der Gestaltung von Etiketten für eine Jubiläumsschokolade. Die Themen Schokolade und Kaffee sind von zentraler Bedeutung in der Bildungsarbeit der Weltläden, da an diesen stark nachgefragten Produkten besonders deutlich wird, welche ökologischen und sozialen Auswirkungen unser Konsum in Ländern des globalen Südens hat. In der politischen Arbeit war zuletzt das neue EU-Lieferkettengesetz ein wichtiges Thema, um Unternehmen stärker darauf zu verpflichten, Arbeits- und Menschenrechte weltweit einzuhalten. Nicht zuletzt stehen Weltläden in direktem Kontakt und Austausch mit Fairhandels-Lieferanten und sind so genau über die teils prekäre Situation der Produzenten im globalen Süden informiert. Umso mehr wünscht sich Stefanie Osten, dass fair gehandelte Produkte trotz gestiegener Preise nicht in den Hintergrund geraten.
St. Raphael Schulen, Heidelberg
Auch an den St. Raphael Schulen in Heidelberg in Trägerschaft der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg sind die Themen fairer Handel und Klimaschutz nicht mehr wegzudenken, spätestens seit 2004: Damals organisierte der Geografielehrer Johannes Schmid zum ersten Mal Umweltprojekttage vor den Sommerferien, die seitdem fester Bestandteil des Schullebens sind. Aus der Motivation heraus, die Schöpfung zu bewahren, entwickelte sich an der katholischen Schule schnell der Wunsch, diesem wichtigen Thema mehr als nur einmal jährlich Zeit zu widmen. So wurde schon bald darauf eine Umwelt-AG gegründet. Daraus entwickelte sich dann die Schülerfirma RaFAIRel, um Schulhefte aus recyceltem Papier sowie fair gehandelte Snacks an der Schule zu verkaufen. 2019 folgte schließlich auch die offizielle Anerkennung als Fairtrade-School.
Schülerinnen der Schülerfirma und der Fairtrade-AG der St. Raphael Schulen in Heidelberg am Verkaufsregal.
Hierfür müssen einige Kritierien erfüllt sein: Es braucht ein Schulteam, in dem Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitung vertreten sind, um Treffen und Aktivitäten an der Schule zum fairen Handel zu organisieren. Im sogenannten „Kompass“ müssen die Ziele der gemeinsamen Arbeit festgehalten werden. Darüber hinaus sollen faire Produkte an der Schule verkauft werden und das Thema einen festen Platz in mindestens zwei Unterrichtsfächern erhalten. An den St. Raphael Schulen werden daher im Religions- und Geografieunterricht unter anderem der Anbau von Bananen und Kakaobohnen, aber auch die Bedingungen in der globalisierten Textilindustrie kritisch behandelt. Zuletzt müssen im laufenden Schuljahr Aktionen zum fairen Handel stattfinden, was zum Beispiel über Fairtrade-Nikoläuse, Umweltprojekttage und mit einem Stand am Tag der offenen Tür umgesetzt wird.
Zur bereits erwähnten Schülerfirma-AG kamen zuletzt noch zwei weitere AGs hinzu: Eine Fairtrade-AG, die verstärkt Aktionstage zu bestimmten Themen durchführen will und die AG Klimaküche, bei der es um umweltfreundliche Rezepte geht. Insgesamt engagieren sich zurzeit rund 45 Schülerinnen und Schüler in den drei AGs. Dementsprechend beteiligen sich die St. Raphael Schulen auch an der Initiative fair.nah.logisch der Erzdiözese Freiburg, bei der es neben dem fairen Handel auch um Regionalität und Nachhaltigkeit geht.
FORUM Eine Welt Ehrenkirchen
Eine ähnliche Initiative wie fair.nah.logisch gibt es schon länger auch von evangelischer Seite mit dem Umweltmanagementsystem Grüner Gockel. Die evangelische Kirchengemeinde Ehrenkirchen-Bollschweil nimmt bereits seit 2006 daran teil. Darüber hinaus gibt es hier auch eine sehr aktive El-Salvador-Ortsgruppe, die sich mit Spenden für warme Mahlzeiten an einer Schule und einem Altenzentrum im Partnerland einsetzt. In der katholischen Seelsorgeeinheit Batzenberg-Obere Möhlin gab es dahingegen lange einen sehr aktiven Peru-Kreis im Austausch mit dem Ort Churin. 2012 fanden sich schließlich acht ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus beiden Gemeinden zu einem ökumenischen Arbeitskreis zusammen. Die Idee für das FORUM Eine Welt Ehrenkirchen war geboren. Durch den Verkauf von fair gehandelten Produkten wird die Gruppe einerseits den Kriterien des Grünen-Gockel-Zertifikats gerecht und kann gleichzeitig die Partnerschaften in El Salvador und Peru finanziell unterstützen, da der gesamte Verkaufserlös dorthin fließt.
Das Projekt FORUM Eine Welt in Ehrenkirchen ist auch zu einem sozialen Treffpunkt geworden. Mitunter auch mit musikalischer Unterhaltung.
Seit 2019 hat das FORUM Eine Welt über die Gemeinde Ehrenkirchen auch einen eigenen Verkaufsraum im Schloss Kirchhofen. Jeden Freitagnachmittag ist dort geöffnet, dazu gibt es selbst gebackene Kuchen und Kaffee. Bei schönem Wetter kann man draußen im Schlosshof sitzen. So erfüllt das Projekt noch einen weiteren Zweck: Es ist zu einem sozialen Treffpunkt geworden, auch für viele alleinstehende Menschen. Neben dem regelmäßigen wöchentlichen Verkauf ist das FORUM Eine Welt auch immer wieder bei Veranstaltungen der Gemeinden mit einem Stand präsent.