Jungs willkommen

29.07.2025 |

Neues Kapitel für Traditionsschule: Das St.-Dominikus-Gymnasium wird ab 2026/27 koedukativ. Das pädagogische Profil der traditionsreichen Schule soll weiterentwickelt werden.

Markanter Wandel: Das „Dominikus“ in Karlsruhe bricht mit seiner langen Tradition als Mädchengymnasium und öffnet sich fortan auch für Jungen.
 
Ab dem Schuljahr 2026/27 öffnet sich die Schule in Trägerschaft der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg für alle Geschlechter und wird damit koedukativ. Gleichzeitig passt sie ihren Namen an: Aus dem „Mädchengymnasium St. Dominikus“ wird künftig das „St.-Dominikus-Gymnasium“. Dies hat der Stiftungsrat der Schulstiftung beschlossen. Mit diesem Schritt geht eine umfassende Weiterentwicklung des pädagogischen Konzepts einher. Ziel ist es, allen jungen Menschen eine moderne und werteorientierte Bildung auf dem Fundament des christlichen Glaubens zu ermöglichen.

„Wir haben uns in den vergangenen Monaten intensiv mit der Zukunft unserer Schule beschäftigt und mit allen Beteiligten gute Gespräche geführt“, sagt Schulleiter Valentin Schneider. „Mein Team und ich, wir haben Lust darauf, dieses neue Kapitel aufzuschlagen. Wir treffen diese Entscheidung mit voller Überzeugung und werden die Öffnung unserer Schule mit großer Sorgfalt vorbereiten.“ Dass sich das Kollegium mit großer Mehrheit für die Koedukation ausgesprochen habe, zeige deutlich: „Wir haben eine klare pädagogische Vision und gehen diesen Weg gemeinsam!“ 
Mit der Rückkehr zu G9 gewinnen die Schülerinnen und Schüler ein zusätzliches Jahr für ihre persönliche und fachliche Entwicklung. Parallel wird ab Klasse 5 das Konzept des selbstorganisierten und eigenverantwortlichen Lernens eingeführt. Als eine von vier Pilotschulen der Schulstiftung baut das St.-Dominikus-Gymnasium zudem seine Rolle als digitale Modellschule aus – mit einem Fokus auf pädagogisch sinnvolle Integration digitaler Medien. Ergänzt wird das neue Profil durch die Einführung von Kunst als Profilfach ab Klasse 8. Bereits ab Klasse 5 können interessierte Kinder im gestalterischen Vorprofil ihre kreativen Potenziale entfalten.

„Zahl der Schülerinnen unter nötigem Niveau“

Die Entscheidung des Stiftungsrates ist das Ergebnis einer sorgfältigen Gesamtbetrachtung der schulischen Entwicklung. Zwar zeigen die Anmeldezahlen zuletzt einen Zuwachs, dennoch liegt die Zahl der Schülerinnen weiterhin unter dem langfristig notwendigen Niveau. „Um den Standort nachhaltig zu sichern und den Bildungsauftrag auch in Zukunft verlässlich erfüllen zu können, ist die Koedukation ein wichtiger Schritt“, erklärt Patrick Krug, Direktor der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg. Diese Öffnung bedeutet nicht das Ende der bewährten Mädchenförderung. „Unsere Erfahrungen mit mädchenspezifischer Bildung bleiben Teil unseres Selbstverständnisses“, betont Schneider. „Deshalb planen wir auch künftig einen eigenen Mädchenzug.“ Gleichzeitig gelte es, Schule so zu gestalten, dass sie aktuellen gesellschaftlichen Realitäten gerecht wird – und jungen Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht gleiche Chancen ermöglicht. 

Die Entscheidung für die Koedukation wurde von der Elternschaft kritisch begleitet. Michael Clark, Vorsitzender des Elternbeirats, erklärt dazu: „Der Elternbeirat und die deutliche Mehrheit der Eltern hätten es begrüßt, wenn das St.-DominikusGymnasium eine Mädchenschule geblieben wäre. Unsere Vorschläge und Anregungen wurden gehört, jedoch aus unserer Sicht nicht ausreichend berücksichtigt. Eine zentrale Aufgabe der Schule wird nun darin bestehen, Eltern und Schülerinnen für den eingeschlagenen Weg zu gewinnen und die anstehenden Projekte gemeinsam umzusetzen. Trotz unterschiedlicher Auffassung bleibt das gemeinsame Ziel, das Beste für die Schülerinnen zu erreichen. Wir Eltern sind bereit dazu.“ Auch unter den Schülerinnen gibt es unterschiedliche Perspektiven. 

Nele Borrmann, Schulsprecherin des St.-Dominikus-Gymnasiums, erklärt: „Viele von uns hätten sich gewünscht, dass das St.-Dominikus-Gymnasium eine Mädchenschule bleibt. Aber es gibt auch Stimmen, die die Öffnung gut finden, und andere, denen das Thema nicht so wichtig ist. Entscheidend ist jetzt, dass wir als Schulgemeinschaft zusammenhalten und die Veränderung gemeinsam gestalten.“
 
PM
 
Lesen Sie zum Thema auch den Kommentar von Brigitte Böttner: