Das Ehepaar Brigitte und Gerhard Weil hat etwas gemacht, was nur noch selten geschieht: eine Kapelle gebaut. Zu Besuch an einem Ort, der aus der Zeit gefallen scheint, aber ganz offensichtlich einen Nerv der Zeit trifft ...
Gerhard Weil vor seiner Kapelle „Maria Hilf“ in Schweighof. Mit der Kapelle wollen er und seine Frau etwas zurückgeben, für all das Gute, das ihnen widerfahren ist.
„Dieses Kreuz hat uns ein älterer Mann geschickt“, sagt Gerhard Weil und zeigt auf das kleine Holzkreuz, das über der Eingangstür hängt. „Er hat geschrieben, dass er sich freuen würde, wenn es auch nach seinem Tod an einem würdigen Ort hängt“, erzählt Weil. Und die Tür stamme aus einem alten Kloster. Und die große Madonnenstatue, geschnitzt aus einem Eichenstamm, haben sie aus dem Bestand des Erzbistums erhalten.
Brigitte und Gerhard Weil auf der Terrasse ihrer Wohnung in Badenweiler. Mit auf dem Foto: Hund Wilus.
Gerhard Weil steht in der kleinen Kapelle „Maria Hilf“ am Ortseingang von Schweighof, einem Ortsteil von Badenweiler, und erzählt. Was und wo und wie er alles bekommen hat. Die Balken, die kleinen Sitzbänke, die Leuchter, … Er macht es mit ansteckender Begeisterung. Besonders stolz ist Gerhard Weil auf die vier kunstvollen Glasfenster. Seine Frau und er haben sie entworfen.
Nur ein paar Schritte sind es von der Landstraße auf dem Feldweg hoch zu dem kleinen Gotteshaus. Idyllisch ist es hier. Vögel zwitschern, die Sonne sendet ein paar Strahlen durch die Blätter der Douglasien. Die kleine Waldkapelle ist so etwas wie eine gebaute Dankeskarte. Der Absender: Gerhard und seine Ehefrau Brigitte Weil. Die Adresse: Gott, das Leben. „Wir sind dankbar, wie wir unser Leben führen konnten und können“, sagt Gerhard Weil. „Dafür wollten wir etwas zurückgeben.“
Der Wunsch dazu kam das erste Mal vor knapp drei Jahren auf. Kurze Zeit zuvor war das Ehepaar von Osnabrück in den Süden nach Badenweiler gezogen. Das Heilbad-Städtchen im Hochschwarzwald hatten sie sich als ihr neues Zuhause auserkoren, nachdem sie es auf der Rückfahrt von einem Italienurlaub in ihr Herz geschlossen hatten. Ihr erster Gedanke: Geld für die Jugendarbeit vor Ort spenden, damit etwas Nachhaltiges aufgebaut werden kann. Doch dann war die Corona-Pandemie da und aktive Jugendarbeit war erst einmal auf Eis gelegt. „Dann kamen wir auf die Idee mit der Kapelle“, sagt Brigitte Weil. Die beiden sitzen mittlerweile am Tisch ihres Wohnzimmers. Es gibt Kaffee und passend zum neuen Zuhause Schwarzwälder Kirschtorte.
Einen möglichen Ort dafür gab es auch, nachdem sie zuvor ein kleines Grundstück im Ortsteil Schweighof erworben hatten. Als Gerhard Weil das erste Mal bei den entsprechenden Behörden anfragte, dachte er zunächst bei all den Auflagen und Bedenken, die er zu hören bekam: „Das wird nix.“ Aber Gerhard Weil ist keiner, der sich so schnell ausbremsen lässt. Gerhard Weil ist einer, der die Dinge anpackt. „Hartnäckig“, nennt seine Frau diesen Charakterzug. Das hat der Pensionär auch beruflich immer so gemacht, als er seine Firma für Wasseraufbereitung und Filtertechnik aufgebaut hat. So wandte sich Gerhard Weil an die übergeordnete Behörde und da erhielt er den passenden Tipp: Wenn die Kapelle nicht größer als 20 Kubikmeter groß sei, gebe es keine Probleme. „Und schon konnten wir alles planen und bauen“, sagt Gerhard Weil mit einem Lachen. Im Februar vergangenen Jahres gingen die Arbeiten los, im August an Mariä Himmelfahrt feierten sie die Weihe. „Da kamen 100 Leute, das war großartig“, erinnert sich Brigitte Weil.
Kontakt und Verein
Um den Erhalt der Kapelle auch für die Zukunft zu sichern, hat das Ehepaar Weil einen Verein gegründet: „Maria Hilf -22 e.V.“. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Die Mitgliedschaft kostet nichts. Gerne dürfe man aktiv mitmachen, müsse es aber nicht, betont das Ehepaar. Bei Fragen wenden per Mail an: maria.hilf22@web.de Alle weiteren Informationen zur Kapelle und zu Veranstaltungen unter: www.mariahilf22.de
Die große Madonnenstatue im Inneren der Kapelle erhielten sie aus den Fundus des Erzbistums. Wo sie vorher stand, wissen sie jedoch nicht.
Wichtig ist ihnen, „dass die Kapelle für alle offen ist“. Das bedeutet für die beiden auch, dass die Kapelle immer zugänglich ist und nicht abgeschlossen wird. „Die Menschen sollen hier einen Ort finden, wo sie Kraft schöpfen können und wo sie zu sich und vielleicht auch zu Gott kommen können“, sagt Gerhard Weil. Und seine Frau ergänzt: „Die Menschen sind doch auf der Suche nach Spiritualität.“
Dass die beiden mit dem Bau der Kapelle genau das geschafft haben, was sie sich gewünscht haben, zeigt das Fürbittbuch, das in der kleinen Kapelle, an der auch ein Wanderweg vorbeiführt, ausliegt. „Lieber Gott, danke dir für deine Vergebung und dass du einen neuen Menschen aus mir gemacht hast“, heißt ein Eintrag. Eine andere Person schreibt: „Danke, dass ich wieder genesen bin.“ Und wieder eine andere: „Vergelt’s Gott für diesen Ort, es gibt leider immer weniger davon.“
In einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen vom Glauben und der Kirche abwenden, ist die Maria-Hilf-Kapelle wie aus der Zeit gefallen. Schon allein deshalb, dass sie überhaupt gebaut wurde. Und dass sie dann auch noch so angenommen wird. „Die vielen positiven Rückmeldungen freuen uns sehr“, sagt Brigitte Weil. Das Ehepaar spürt dies in vielen kleinen und großen Gesten: Beispielsweise auch an jener, dass die örtliche Blumenhändlerin sich bereit erklärt hat, sich um den Blumenschmuck zu kümmern.
Zahlreiche Menschen kamen zur Segnung der Kapelle vor einem Jahr.
Für was Brigitte und Gerhard Weil mit der Kapelle etwas zurückgeben möchten? Für die Familie, die Kinder, die Enkel, den beruflichen Erfolg, dafür, dass sie sich gefunden haben, und auch für den Glauben, der ihnen immer Halt gegeben hat; und bei Brigitte Weil auch Heimat war und ist. Als junges Mädchen kam sie mit ihrer Mutter und Oma von Polen nach Deutschland, umso wichtiger war der Glaube in dieser Zeit. Er gab ihnen Sicherheit und Zuversicht. Ihre Oma habe immer gesagt: „Der Glaube trägt einen Menschen.“ Das wurde beiden früh vermittelt. Beide wuchsen in streng-katholischen Elternhäusern auf. „Aber in einem positiven Sinne streng“, betont das Ehepaar. Regelmäßig in die Messe gehen, das Beten des Rosenkranzes, das tägliche Gebet, der Austausch mit Gott, das ist für sie bis heute selbstverständlich. Und gerade auch die Verehrung der Gottesmutter spielt bei beiden eine wichtige Rolle. „Immer wenn wir irgendwo in eine Marienkapelle gehen, bewegt uns das“, sagt Brigitte Weil. Deshalb war auch klar, dass es eine Marienkapelle werden musste. „Maria Hilf 2022“ steht in großen Lettern auf der Glocke, die außen über der Tür hängt, und die sie extra in Innsbruck haben gießen lassen.
Ihren Glauben leben können die beiden nun auch in der Kapelle. Etwa einmal im Monat gibt es besondere Veranstaltungen in der Kapelle. Andachten, Tiersegnungen oder wie erst jüngst ein Agape-Mahl. Ein Platz, den sie kürzlich vor der Kapelle angelegt haben, lädt nun auch zum anschließenden Verweilen ein. So ist die Kapelle in Badenweiler-Schweighof mittlerweile ein Ort des Gebets und der gelebten Gemeinschaft.