Ein Blick auf die Ministrantinnen und Ministranten im Erzbistum Freiburg, ein Jahr vor der nächsten Romwallfahrt.
Den jüngsten Erhebungen zufolge gibt es im Erzbistum Freiburg derzeit etwa 27 000 Kinder und Jugendliche, die sich in ihren Kirchengemeinden als Ministrantin oder Ministrant engagieren.
Die Eindrücke, Bilder und Emotionen wirken bis heute nach. Für eine kaum zu überschauende Zahl von Jugendlichen aus dem Erzbistum Freiburg war in der Vergangenheit die Teilnahme an einer oder mehrerer Ministrantenwallfahrten nach Rom ein prägendes Ereignis. Sicher auch deshalb, weil es etwas Besonderes ist, zu Beginn der Sommerferien fast eine Woche lang ohne Eltern mit Gleichaltrigen unterwegs zu sein. Und das nicht irgendwo, sondern in Rom. Darüber hinaus öffnete sich für die Jugendlichen aber auch in Sachen Kirche und Glauben ein neuer, weiterer Horizont. Bis hin zur Erfahrung von Weltkirche und der Erkenntnis: Wir sind viele. Tausende, Zigtausende. Jeder und jede Einzelne von uns und ebenso die Gruppe, mit der wir gekommen sind, ist Teil eines Großen und Ganzen, einer Gemeinschaft. Wir feiern und haben Spaß ohne Ende, stellen uns aber gleichzeitig den großen Fragen nach Glauben, Liebe und Hoffnung, nach dem, was uns trägt und unserem Leben Sinn gibt. Und das auch zusammen mit dem Papst, im Rahmen eines eigenen großen Gottesdienstes auf dem voll besetzten Petersplatz.
Die Veränderungen des kirchlichen Lebens betreffen auch Ministrantinnen und Ministranten
Bemerkenswert war gerade aus Freiburger Sicht stets die Zusammensetzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Wallfahrten. In der Regel waren bis zu 50 000 Jugendliche aus vielen Ländern dabei. Allerdings kamen davon etwa 40 000 aus Deutschland. Und von diesen wiederum rund 10 000 aus dem Erzbistum Freiburg. Die Jugendlichen aus dem Südwesten einschließlich zahlreicher Baden-Flaggen waren im Straßenbild der Ewigen Stadt nicht zu übersehen. Das mit Abstand größte Treffen von Katholikinnen und Katholiken des Erzbistums Freiburg fand demnach über Jahrzehnte hinweg in Rom statt: die Ministrantenwallfahrt. Dementsprechend waren dort auch der Erzbischof und die Weihbischöfe vertreten, ebenso aber auch viele pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Pfarrer, die mit Gruppen aus ihren Gemeinden und Seelsorgeeinheiten nach Rom fuhren.
Ministrantinnen kurz vor Beginn der Eucharistiefeier in der Sakristei. Künftig wird es wichtig sein, die Minis auch in alternative Gottesdienstformen einzubinden.
2018 fand die letzte dieser Miniwallfahrten nach Rom statt. Der Vier-Jahres-Rhythmus konnte anschließend aufgrund der Pandemie nicht eingehalten werden. Aber im Sommer 2024, in ziemlich genau einem Jahr, ist es wieder soweit. Und angesichts der Dimensionen dieser Veranstaltung haben die Vorbereitungen bereits begonnen. Die Fäden laufen bei der diözesanen Fachstelle für Ministrantinnen- und Ministrantenpastoral im Erzbischöflichen Seelsorgeamt zusammen – genauer: bei Marie-Christine Meier, der Referentin der Fachstelle, und bei Carina Wacker und Stephan Raab, die als Projektreferentin und Projektleiter eigens für die Rom-Wallfahrt fungieren. Sie sind allesamt neu dabei und können nicht auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. „Aber unsere Vorgänger haben sehr gut gearbeitet“, stellt Carina Wacker fest. „Wir haben ein Archiv, in dem alles Wichtige drin ist.“
Was freilich nicht heißt, dass die Vorbereitung und die Gestaltung der Wallfahrt 2024 in einer Art Automatismus erfolgt und einfach als routinierte Wiederholung des Altbekannten vonstattengeht. Das mag für manche logistischen und organisatorischen Belange gelten. Aber die Veränderungen des kirchlichen Lebens und der pastoralen Strukturen schlagen natürlich auch auf die Ministrantinnen und Ministranten durch. Vielleicht sogar noch mehr als auf andere Bereiche. Und gerade eine Großveranstaltung wie die Romwallfahrt kann ein Licht auf diese Veränderungen und die damit verbundenen Herausforderungen werfen.
„Dort, wo die Jugendlichen Beziehung und Wertschätzung erfahren, kommen sie gerne“
Beginnend mit den Zahlen. Mit zuletzt 27 000 Jungen und Mädchen bilden die Ministranten nach wie vor die mit Abstand stärkste Säule der kirchlichen Jugendarbeit. Das liegt sicher auch daran, dass es in den meisten Pfarreien entsprechend dem Motto der Freiburger Ministrantenpastoral, „Mehr als Messdiener“, neben den Aufgaben im Gottesdienst auch weitere Angebote für die Jugendlichen gibt, wie eine Umfrage im Jahr 2020 ergeben hat. Bis hin zu Freizeiten und Gruppenstunden. Zudem sind die Minis die nach außen hin auffälligste Gruppe der Jugendarbeit. Wenn sie am Altar Dienst tun, sind sie für die ganze Gemeinde sichtbar und greifbar. Dies gilt umso mehr, als sie oft die einzigen Jugendlichen sind, die an den Gottesdiensten teilnehmen. Trotzdem ist auch in diesem Bereich ein Rückgang zu verzeichnen, der sich nach Einschätzung der Verantwortlichen auch auf die Zahlen der Romwallfahrt auswirken wird. „Wir gehen davon aus, dass 6000 Plätze reichen werden“, sagt Projektreferentin Carina Wacker. „Aber wenn es etwas mehr werden, nehmen wir sie natürlich auch mit.“
„Unsere Vorgänger haben gut gearbeitet.“ Marie-Christine Meier (links) leitet seit letztem Herbst die Fach- und Servicestelle Ministratinnen und Ministranten. Carina Wacker (rechts) hat seit Februar als Projektreferentin die Romwallfahrt 2024 im Blick.
Wobei es kaum möglich ist, pauschale Aussagen zur Situation der Ministrantinnen und Ministranten vor Ort zu treffen. „Aus manchen Pfarreien hören wir, dass durch die Corona-Pandemie Rückgänge beschleunigt wurden“, stellt Marie-Christine Meier fest. Bei anderen sei das vorläufige Ende der Pandemie umgekehrt fast wie eine Art Initialzündung – nach dem Motto: Jetzt geht es wieder richtig los. Die Referentin ist überzeugt davon, dass vieles an den verantwortlichen Personen hängt, auch und gerade an den pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Dort, wo die Hauptamtlichen konsequent Beziehungsarbeit leisten und die Jugendlichen Wertschätzung erfahren, da kommen sie gerne, bleiben dabei und helfen auch anderweitig in der Gemeinde mit“, sagt sie. Die Bedeutung dieser Beziehungsarbeit vor Ort müsste nach Auffassung der Referentin noch viel bewusster sein. „Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, das zu kommunizieren.“
Mehr noch: Auf eigene Weise geht Marie-Christine Meier mit gutem Beispiel voran. Unter dem Motto „Meet&Greet“ hat sie ein Format entwickelt, das den Minis immer wieder die Möglichkeit gibt, mir ihr in Kontakt zu treten, Infos aus erster Hand zu bekommen und sich gegenseitig auszutauschen. Auf digitale Weise. Die Zahl der Anmeldungen ist groß. Denn gerade bei jungen Menschen haben sich Kommunikationswege verändert. „Treffen“ und Gespräche am Computerbildschirm sind selbstverständlich geworden und zuweilen sogar die bevorzugte Art und Weise des Austauschs. Insofern kommen Programme wie Zoom auch den Verantwortlichen auf Diözesan-ebene entgegen. Denn sie schaffen die Möglichkeit, mit den Akteuren vor Ort ins Gespräch zu kommen, ohne weite Strecken zurücklegen zu müssen. Auch soziale Medien wie Instagram spielen in der Kommunikation eine wichtige Rolle. Auf diesem Weg schicken die Jugendlichen beispielsweise Fotos von Minifreizeiten oder vom Fronleichnamsfest. „Ich reagiere grundsätzlich auf jede Nachricht“, so die Leiterin der Fach- und Servicestelle. „Für mich ist es wichtig, an die Ästhetik und die Sprache der Jugendlichen anzuknüpfen.“
Dass die „Kirchenentwicklung 2030“ mit der Bildung der Großpfarreien gerade für die Ministrantenarbeit eine Herausforderung wird, steht für die Verantwortlichen außer Frage. Die Bindung der Jugendlichen an „ihre“ Kirche ist in der Regel groß. „Solange es gut läuft“, stellt Carina Wacker fest, „tun sich viele schwer, mit anderen zu kooperieren.“ Anders ist es, wenn sie einander brauchen.
www.mehr-als-messdiener.de – so lautet die Adresse der Internetseite der Fachstelle Ministrantinnen und Ministranten im Erzbischöflichen Seelsorgeamt. Sie verweist auch darauf, dass es in vielen Kirchengemeinden neben den Aufgaben im Gottesdienst für die Kinder und Jugendlichen noch weitere Angbeote gibt, bis hin zu Freizeiten und Gruppenstunden.
Marie-Christine Meier verweist darauf, dass die kirchliche Jugendarbeit nicht selten bereits jetzt in den Strukturen stattfindet, auf die es bei der Kirchenentwicklung hinausläuft. Zudem führe eine geringere Zahl von Eucharistiefeiern auch zu einer größeren Zahl von Mitfeiernden an den jeweiligen Gottesdienstorten, was für die Jugendlichen ein Anreiz sein könnte, auch in einer anderen Kirche der großen Pfarrei zu dienen. „Was gibt es Cooleres, als in einer vollen Kirche am Altar zu stehen“, so die Referentin. Auf diesem Hintergrund sei die „Kirchenentwicklung 2030“ auch eine Chance. Nichtsdestotrotz braucht es nach Überzeugung der Referentin auch vor Ort, angesichts der Verringerung der Zahl der Eucharistiefeiern, alternative Einsatzmöglichkeiten für Ministrantinnen und Ministranten. Zum Beispiel bei Wortgottes-Feiern. Eine entsprechende Handreichung ist in Arbeit. „Wir wollen den Minis Mut machen, in ihrer Gemeinde auf die Verantwortlichen zuzugehen und sich in die Wortgottesfeiern einzubringen.“
Vor gut einem Jahr gründeten einige Gruppen von Ministranten einen diözesanen Dachverband
Und noch ein Thema ist in den zurückliegenden fünf Jahren seit der letzten Romwallfahrt dazugekommen: Als größte Gruppierung der kirchlichen Jugendarbeit waren die Ministrantinnen und Ministranten bisher nicht verbandlich organisiert und auch nicht Mitglied im Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ), der die Interessen der katholischen Kinder- und Jugendverbände in Kirche und Gesellschaft vertritt. Nach langen Diskussionen und Vorbereitungen haben sich vor einem guten Jahr acht Gruppierungen von Minis aus dem Erzbistum zu einem diözesanen Dachverband zusammengeschlossen. Insgesamt 380 Jugendliche gehören dazu, sechs von ihnen bilden die ehrenamtliche Diözesanleitung. „Es sind Jugendliche, die einfach große Lust auf einen solchen Verband haben und entsprechend motiviert sind“, so Marie-Christine Meier. Es gehe ihnen darum, die Minis als Gemeinschaft stärker zu profilieren, auch und gerade als Mitglied des BDKJ.
Letzteres gilt umso mehr, als die Ministrantinnen und Ministranten schon seit Langem in hohem Maße zum Gelingen von Projekten beitragen, die vom BDKJ mitverantwortet werden. Das gilt für die Sternsinger wie auch für die 72-Stunden-Aktion, die ebenfalls im nächsten Jahr wieder stattfinden soll. Eine offizielle Anerkennung des Miniverbandes durch die Bistumsleitung steht bis dato noch aus. Die Verantwortlichen der Fachstelle im Seelsorgeamt hoffen auf grünes Licht, „auch als Zeichen der Wertschätzung“, wie sie betonen.
Gut möglich, dass die Romwallfahrt im nächsten Sommer diesem Anliegen noch einmal einen Schub verleiht. Dass das Erzbistum Freiburg auch mit 6000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wieder die stärkste Gruppe bilden wird, steht wohl außer Frage. Zuletzt gab es bereits zahlreiche Anfragen bezüglich der Organisation und des Anmeldeverfahrens. Eine eigene Internetseite für die Romwallfahrt ist zugänglich. In diesen Tagen und Wochen werden dort auch die notwendigen Unterlagen sowohl für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie auch für die Gruppenverantwortlichen online gestellt. Auch das Motto der internationalen Wallfahrt steht bereits fest. Es lautet „Mit dir“ und macht unter anderem deutlich, dass jeder und jede Einzelne wichtig ist und gebraucht wird und dass ohne ihn oder sie etwas Wichtiges fehlt. Das gilt für die Wallfahrt wie auch für den Dienst am Altar.