„Uns schickt der Himmel“, lautet das Motto der größten Sozialaktion Deutschlands. Organisiert vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend und seinen Verbänden, engagieren sich Tausende von Aktionsgruppen freiwillig für andere – am Donnerstag startet die 72-Stunden-Aktion mit bis zu 200.000 jungen Menschen.
Gemeinsam für ein besseres Miteinander, eine bessere Zukunft. Dafür setzen sich die mehr als 8000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Erzbistum Freiburg bei der 72-Stunden-Aktion ein.
Ein Kinderspielplatz, ein Repair-Café, ein rollstuhlgerechtes Hochbeet, ein Insektenhotel – dies sind nur einige Beispiele für Projekte, mit denen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die Welt ein Stückchen besser machen können. Dazu organisieren der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und seine Verbände unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“ die 72-Stunden-Aktion vom 18. bis 21. April 2024. Deutschlandweit sind bereits mehr als 2000 Aktionsgruppen angemeldet, davon über 300 Gruppen mit insgesamt mehr als 8000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der Erzdiözese Freiburg. Damit zeichnet sich ab, dass Freiburg die Diözese mit den meisten Aktionsgruppen sein wird. „Die zurückliegenden 72-Stunden-Aktionen sind mir noch in guter Erinnerung: Es beeindruckt mich immer wieder neu, welche Projekte Jugendliche und junge Erwachsene in einem begrenzten Zeitraum auf die Beine stellen können“, sagt der Freiburger Erzbischof Stephan Burger. „Es zeigt darüber hinaus, welche Kraft in einer Gemeinschaft steckt, die unterschiedliche Stärken, Fähigkeiten und Ansichten als Bereicherung versteht. Gerade in der gegenwärtigen Zeit, die von Auseinandersetzungen und Kriegen in besonderer Weise geprägt ist, geben uns Jugendliche und junge Erwachsene in der diesjährigen 72-Stunden-Aktion den inspirierenden Impuls, nicht darin nachzulassen, auf die Kraft des Zusammenhalts, der Gemeinschaft und des Glaubens zu bauen.“
In diesem Jahr läuft die 72-Stunden-Aktion schon zum dritten Mal bundesweit. Die vorangegangenen Aktionen haben Bleibendes geschaffen – nicht nur Gebautes, Gebasteltes und Gesammeltes, sondern auch Beziehungen zwischen Menschen, wertvolle Erfahrungen und Erinnerungen. Die Altersspanne der Teilnehmenden reicht von neun bis 27 Jahren, wobei es keine feststehenden Grenzen gibt. Die Gruppen sind unterschiedlich groß; sie können fünf Personen umfassen oder 80. An der 72-Stunden-Aktion können Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationsgeschichte, mit unterschiedlichen Bildungs- und Familienhintergründen, mit und ohne Beeinträchtigung teilnehmen. Auch nicht-katholische Gruppen können partizipieren. Die Projekte können ökologisch, politisch, interkulturell oder interreligiös ausgerichtet sein. Allen Projekten gemeinsam ist, dass sie uneigennützig, nachhaltig und im Umfeld der Teilnehmenden verortet sind – dort, wo diese auch sonst im Alltag unterwegs sind.
Ein Jugendlicher sprüht in dicken grünen Lettern ein Graffito an die Wand, orange hinterlegt, eine der Farben der Kolpingjugend, die vielerorts auch aktiv ist.
„Die 72-Stunden-Aktion wirkt nicht nur innerhalb der Kirche, sondern in der Mitte der Gesellschaft“, sagt Projektleiter Andreas Fink. „Damit ist sie ein Aushängeschild für kirchliche Jugendarbeit.“ Was das konkret bedeutet, können beispielsweise Wanderer auf dem Schwärzenbacher Gäg-Wäg im Hochschwarzwald erfahren: Bei der 72-Stunden-Aktion 2019 gestaltete die Landjugend Schwärzenbach den fünf Kilometer langen Weg, der nicht nur malerische Aussichten, sondern auch Stationen mit Sprüchen und Witzen bietet, die das Laufen erleichtern. Schon 2009 entstand im katholischen Dekanat Mosbach-Buchen eine Beachvolleyballanlage, gebaut von der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Wagenschwend-Balsbach gemeinsam mit jungen Menschen aus der Justizvollzugsanstalt Adelsheim. An vielen Orten wurden Spielplätze, Sportanlagen oder lokale Naturprojekte angelegt oder wiederbelebt, werden Kontakte, etwa zu Kindergärten oder Altenheimen, bis heute gepflegt.
Spielplatz, Sportanlage, Kita oder Pflegeheim – vieles ist möglich
In der Erzdiözese Freiburg wird die 72-Stunden-Aktion wesentlich von 20 Koordinierungskreisen getragen. Die Koordinierungskreise, in denen hauptamtlich und ehrenamtlich Tätige zusammenarbeiten, betreuen die Aktionsgruppen in einem Dekanat oder im Gebiet eines jugendpastoralen Teams. Sie kümmern sich um eventuell erforderliche größere Anschaffungen. Kleine Mengen an Materialien finanzieren die Gruppen über Spenden oder Sponsoring. Die Koordinierungskreise legen auch den Anmeldeschluss für die jeweilige Region fest, da sie die lokalen und regionalen Gegebenheiten am besten kennen.
Beste Stimmung herrschte auch bei der 72-Stunden-Aktion im Jahr 2019 bei der Eröffnungsfeier in Karlsruhe.
Die Gruppen können schon bei der Anmeldung eine von zwei Projektvarianten wählen: Bei der „Get-it“-Variante erfährt eine Gruppe erst zum Aktionsstart, welches Projekt sie zu gestalten hat. Bei der „Do-it“-Variante sucht eine Gruppe selbst in ihrer Gemeinde oder in ihrem Umfeld ein Projekt und reicht dieses beim Koordinierungskreis ein. Aus den Anmeldungen lässt sich herauslesen, dass in diesem Jahr beide Varianten etwa gleich beliebt sind. Die „Do-it“-Variante erfordert mehr Eigenverantwortung, verlangt einen Blick dafür, was in der eigenen Stadt, im eigenen Dorf gebraucht wird. Demgegenüber ist bei der „Get-it“-Variante mehr Flexibilität gefragt; sie bietet aber auch die Chance, den eigenen Horizont zu erweitern.
Aufmerksamkeit von den Menschen vor Ort ist gewünscht
„Die besten Projekte sind häufig diejenigen, in welche die Gruppe sich erst einfinden muss“, erklärt der Pressereferent der Abteilung Jugendpastoral im Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg, Dominik Schäfer. Schließlich gehe es bei der Aktion auch darum, Widerstände zu überwinden und an die eigenen Grenzen zu kommen. Manche Projekte, besonders wenn sie ökologisch ausgerichtet sind, halten eine zusätzliche Challenge bereit – etwa während der Aktion aufs Auto oder auf Fleisch zu verzichten.
Dafür erfahren die Teilnehmenden Unterstützung von vielen Seiten: Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger stellt für die 72-Stunden-Aktion Ressourcen bereit und wird Gruppen vor Ort besuchen. In Baden-Württemberg hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Schirmherrschaft übernommen. Bundesweit unterstützt wird die Aktion vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sowie von der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Lisa Paus. Für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fungiert SWR3 als Aktionsradio, berichtet live von Projekten und erfüllt Musikwünsche von Gruppen.
20 Koordinierungskreise betreuen die Aktionsgruppen vor Ort. Einer davon: der Koordinierungskreis Wiesental, der der Aktion schon entgegenfiebert.
Die Anteilnahme der Öffentlichkeit ist ganz wesentlich für die 72-Stunden-Aktion, wie Dominik Schäfer betont: „Die Gruppen sind darauf angewiesen, dass sich jemand vor Ort für ihr Engagement interessiert, ihnen Energie vermittelt, Material spendet. Das kann ein Stück Kuchen sein oder ein Bagger – oder jemand, der einen Bagger fahren kann.“ Dies sei die beste Erfahrung, die Aktionsgruppen machen können: Wer anderen hilft, bekommt auch selbst Unterstützung. „So werden 72-Stunden-Projekte oft zu Projekten, bei denen die gesamte Gemeinde mit anpackt.“
Wer wissen will, was zwischen Donnerstag, 18. April, um 17.07 Uhr und Sonntag, 21. April, um 17.07 Uhr in seiner Umgebung an 72-Stunden-Projekten läuft, kann auf der Internetseite unter www.72stunden.de gezielt nach Projekten suchen oder auf der interaktiven Karte nachschauen. Die diözesane BDKJ-Homepage www.bdkj-freiburg.de/72hilfe bietet Kontakte zu Koordinierungskreisen und Informationen über mögliche Hilfen – von Aufmerksamkeit über Tipps bis hin zu Sach- und Geldspenden ist alles möglich. So kann jeder Einzelne dazu beitragen, die Welt in drei Tagen ein Stückchen besser zu machen.