Ein unerlässliches Amt in der Nähe

18.11.2025 |

In Freiburg werden am Christkönigssonntag sechs Männer zu Ständigen Diakonen geweiht. Ein Interview zur Entwicklung dieses besonderen Dienstes.

Die neuen Ständigen Diakone im Erzbistum Freiburg (von links): Bernd Müller (SE Achern), Peter Anton Ling (SE Mannheim Johannes XXIII), Martin Blume (SE Überlingen), Harald Balle (SE Nördlicher Kaiserstuhl), Christophe-Emmanuel Legrand (SE An der Glotter) und Klaus Klein (SE Gammertingen-Trochtelfingen).
 
Der Christkönigssonntag ist im Erzbistum Freiburg der Termin der Weihe der Ständigen Diakone. So auch in diesem Jahr. Im folgenden Interview äußern sich Oliver Fingerhut, Leiter des Referates Ständiger Diakonat im Institut für Pastorale Bildung, und Bruno Hünerfeld, Bischöflicher Beauftragter für den Ständigen Diakonat, zur Entwicklung dieses Dienstes.

Herr Fingerhut, Herr Hünerfeld, am kommenden Christkönigssonntag werden im Freiburger Münster sechs Männer zu Ständigen Diakonen geweiht. Wie ist derzeit das Interesse an diesem Dienst?

Bruno Hünerfeld: Die Interessentenlage für den Ständigen Diakonat ist derzeit erfreulich stabil. Zwar können wir nicht mehr von Kursgrößen über zehn Männern ausgehen, aber die waren in der Vergangenheit auch eher die Ausnahme denn die Regel. In den nächsten Jahren werden Kurse zwischen vier und sechs Teilnehmern sich auf die Diakonenweihe vorbereiten. Die anstehenden Veränderungen in den Gemeinden scheinen dabei das Interesse an einem „amtlichen Dienst in der Nähe“ eher zu fördern als zu mindern.

Die Wiedereinführung des Ständigen Diakonats durch das Konzil und die ersten Weihejahrgänge waren für die damaligen Gemeinden und die Pastoral eine Neuheit. Im Blick auf die Rolle und die Aufgaben der nebenberuflichen Diakone war noch manches unklar. In welche Richtung hat sich das Verständnis dieses Dienstes entwickelt? 
 
Oliver Fingerhut: In der Erzdiözese Freiburg war bei der Wiedereinführung des Ständigen Diakonates die Vorstellung eines Mannes mit Zivilberuf, der ein klares sozialdiakonisches Aufgabenfeld in der Pfarrei übernimmt, vorherrschend. Die Unsicherheiten hinsichtlich des liturgischen Einsatzes – die ersten Kandidaten trugen bei Ihrer Weihe zum Beispiel keine liturgische Kleidung – sind heute weitestgehend überwunden. Die Diakone sind ein fester Bestandteil im Leben vieler Gemeinden. Es geht darum, dem „dienenden Christus“ in einem amtlichen Dienst ein Gesicht zu verleihen und dafür einzustehen, dass der Mensch in seinen Bedürftigkeiten im Blick unserer Gemeinden bleibt. 

Wir stehen an der Schwelle der größten Strukturreform in der Geschichte des Erzbistums Freiburg, die alle pastoralen Dienste vor neue Herausforderungen stellt. Welche Fragen stellen sich in dieser Umbruchsituation für die Ständigen Diakone?
 
Bruno Hünerfeld: Die Kirchenentwicklung 2030 ist ein hochkomplexer Prozess, wo manches noch nicht absehbar ist. Die Diakonatskreise, in denen sich die Diakone gruppieren, werden Orte sein, in denen die Erfahrungen mit der Kirchenentwicklung gesammelt werden. Es ist eine wesentliche Aufgabe für uns, hier hinzuhören und im Zusammenspiel mit dem Diakonenrat und dem Referatsleiter für den Personaleinsatz im Ordinariat, Thilo Knöller, die Belange der Diakone zu bündeln. In diesem Prozess steht auch Spiritual Joachim Kittel als Vertrauensperson den Diakonen zur Verfügung. Für die Diakone mit Zivilberuf wird besonders darauf zu achten sein, dass sie ein lokal begrenztes und pastoral klar umschriebenes Aufgabenfeld haben.
 
Wenn sie einige wenige kurze Argumente formulieren müssten, um für diesen Dienst zu werben, wie würden diese lauten?

Oliver Fingerhut: Für eine Kirche zu stehen, der es nicht um sich selbst geht, ist ein Gebot der Stunde und gehört zur DNA des Diakonats. Der Diakon ist daher notwendig – und nicht Notnagel –, obwohl das vielleicht manchmal auch. Der Diakon steht für ein Amt, das in großer Freiheit, ohne finanzielle Abhängigkeit von der Kirche, ausgeübt wird und auch angesichts knapper werdender Ressourcen modellhaft in die Zukunft weist. Der Diakon im Zivilberuf wirkt selbstverständlich in seinen beruflichen Alltag hinein und erreicht damit Menschen, in deren Leben Kirche oft sonst keine Rolle spielt. Mit einem klar umschriebenen Aufgabenbereich steht der Diakon in unübersichtlichen Zeiten verlässlich für ein „Amt in der Nähe“, wie der verstorbene Domkapitular Eugen Maier formulierte.
 
Info
Der Weihegottesdienst findet an diesem Sonntag, 23. November, um 10 Uhr im Freiburger Münster statt. Weihbischof Peter Birkhofer wird der Feier vorstehen und die Weihe der sechs neuen Ständigen Diakone vornehmen. An einem der folgenden Sonntage werden die neugeweihten Ständigen Diakone in ihren jeweiligen Kirchengemeinden in einem Gottesdienst in ihren Dienst vor Ort eingeführt.
 
Interviewpartner
Dr. Bruno Hünerfeld (47) ist seit dem 1. Oktober 2025 Bischöflicher Beauftragter für den Ständigen Diakonat. In dieser Rolle obliegt ihm eine besondere Verantwortung in der Zulassung der Kandidaten für die Weihe wie auch in der Begleitung der Diakonatskreise. Neben dieser Aufgabe ist er Kooperator in der Seelsorgeeinheit Breisach-Merdingen. Zuvor war er Geistlicher Mentor in der Studienbegleitung für Theologiestudierende und Hochschulseelsorger in Freiburg-Littenweiler. 
 
Oliver Fingerhut (58) leitet das Referat Ständiger Diakonat im Institut für Pastorale Bildung. Er ist zusammen mit dem Bischöflichen Beauftragten verantwortlich für die Aus- und Fortbildung der Ständigen Diakone und außerdem im Referat Priester des IPB für die Priester im „Ruhestand“ zuständig.
 
Interview: Michael Winter