Der Freiburger Frederik Hasenauer wohnt derzeit in Schweden. Dort leistet er einen Internationalen Freiwilligendienst. In diesem Beitrag berichtet er über seine Arbeit und seine Erfahrungen in Schweden und was es mit einer „Fika“ auf sich hat.
Im vergangenen Sommer sind dutzende junge Männer und Frauen aus dem Erzbistum Freiburg in die Welt hinausgegangen, um sich zu engagieren und einen sozialen Dienst zu leisten. Einige so wie Frederik Hasenauer über das Bonifatiuswerk, andere über die Fachstelle Internationale Freiwilligendienste des Erzbistums Freiburg.
Im Rahmen des „Praktikums im Norden“, des Bonifatiuswerks, unterstützen jährlich ca. 20 Freiwillige in sechs verschiedenen Ländern die katholische Diaspora in Nordeuropa. Für mich ging es nach Uppsala, in Schweden. Es ist jetzt ist jetzt vier Monate her, seit ich dorthin aufgebrochen bin. Was ist mir in diesen Monaten bis jetzt begegnet?
Als erstes auf jeden Fall das Newmaninstitut. Das Newmaninstitut ist Skandinaviens einzige katholische Hochschule. Drei Tage der Woche arbeite ich hier, direkt gegenüber des Studentenkorridors, in dem ich wohne. Die anderen zwei Tage der Woche arbeite ich in Stockholm, bei Caritas Svergie. Hier helfe ich beim „Mötesplatz“, einer Anlaufstelle für Migranten, die unter anderem eine gemeinsame Fika anbietet.
Einer Fika begegnet man in Schweden unumgänglich. Sie ist das Äquivalent zur deutschen Kaffeepause und die Schweden sind wirklich immer für eine Fika zu haben: Du kommst bei der Arbeit nicht weiter? Mach doch erst mal eine Fika! Du hast nachmittags noch nichts vor? Lass uns eine Fika nehmen!
Etwa die Hälfte der Schweden gehören offiziell zur evangelischen Staatskirche „Svenska Kyrkan“. Die „Svenska Kyrkan“ ist politisch relativ liberal, die Liturgie ist der deutschen katholischen interessanterweise jedoch sehr ähnlich und die Gottesdienste in der Domkirche sind, auch Dank den unzähligen Chören Uppsalas, sehr eindrucksvoll.
Katholiken stellen in Schweden eine kleine wachsende Minderheit, viele sind Migranten, oft aus Polen. In der Gemeinde St. Lars bin ich einer verhältnismäßig konservativen katholischen Kirche begegnet. Gerade die schwedischen Konvertiten sind sehr traditions- und regelbewusst. Sonntags- und Gebetspflichten werden eingehalten und Gott ist in fast allen Gesprächen mit dabei. In der WG-Küche gibt es nicht selten lange theologische Diskussionen.
In den Gottesdiensten in St. Lars sieht man viele bekannte Gesichter und manche Priester sind Kollegen im Newmaninstitut. Die Kirche ist oft überfüllt. Eigentlich alle sind sich einig, dass man ein größeres (und schöneres) Gebäude bräuchte.
Gesellschaft ist gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit wichtig. Wenn es bewölkt ist und die Sonne schon um 15 Uhr untergeht, bekommt der November-Blues noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Als Ende Dezember zum ersten Mal seit über einem Monat richtig die Sonne schien, im Dezember gab es bis dahin genau 0,5 Sonnenstunden, standen an jeder Straßenecke Menschen, das Gesicht der Sonne zugewandt, alles andere vergessend.
Die Begegnung mit all diesen Dingen erweitert den Horizont. Das Eintauchen in ein anderes Land, eine andere Kultur sorgt für einen Perspektivwechsel. Man lernt mit fremden Meinungen, fremden Weltbildern umzugehen. Und man erfährt auch viel über sich selbst, über die eigene Meinung, die eigene Kultur, das eigene Weltbild.
In diesem Sinne kann ich das Praktikum im Norden nur weiterempfehlen als Rahmen für neue Begegnungen und einen Blick über den Tellerrand!
Daniel Gerber
Service
Bis zum 30. Januar kann man sich für das Jahr 2026/27 noch bewerben. Mehr Infos gibt es hier.