Wechsel beim Diözesanrat: Benjamin Nohe zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der 28-jährige Delegierte des BDKJ folgt auf Martina Kastner, die nach 15 Jahren nicht mehr zur Wahl stand.
Der erweiterte Vorstand des neuen Diözesanrats. Von unten nach oben: Vorsitzender Benjamin Nohe, bischöflicher Beauftragter Thorsten Gompper, Claudia Klant, Simone Hertel von der Geschäftsstelle, Geschäftsführer Martin Müller, Stefan Eschbach, Klemens Gramlich und Ute Fischer.
Im Blick auf die Arbeit des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Freiburg war es ein historischer Moment: Zum letzten Mal begrüßte Martina Kastner die Delegierten aus den Pfarreien, Verbänden, Gruppierungen und Gemeinschaften zu einer Vollversammlung. Denn die Vorsitzende des obertsen Laiengremiums der Erzdiözese Freiburg stand nach 15 Jahren und drei Wahlperioden nichtmehr für dieses Amt zur Verfügung. Wie überhaupt die konstituierende Sitzung des neuen Diözesanrats im Schönstattzentrum Oberkirch-Marienfried den Beginn einer neuen Ära markierte. Denn auch die Zusammensetzung des Gremiums hat sich deutlich verändert. Das Gros der Mitglieder bilden künftig 36 Delegierte aus den neuen Pfarreien. Insgesamt gehören dem Diözesanrat nur noch rund 60 Personen an – etwa ein Drittel weniger als zuvor. Viele von ihnen sind neu dabei. Wobei es Martina Kastner zufolge ohnehin nicht so sehr auf die Zahl, sondern vor allem auf das Engagement und die Leidenschaft der Delegierten ankommt. „Hier ist die ganze Vielfalt des kirchlichen Lebens in der Erzdiözese Freiburg sichtbar“, stellte sie fest.
Naturgemäß standen bei der konstituierenden Sitzung weniger inhaltliche Fragestellungen als Wahlen im Mittelpunkt. Allen voran die Neuwahl des Vorstandes. Hier setzte sich im zweiten Wahlgang Benjamin Nohe, Delegierter des BDKJ-Diözesanverbandes gegen Stefan Eschbach, Delegierter des Pfarreirats Hochschwarzwald durch, der in den letzten Jahren als Delegierter des Erzbistums Freiburg dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angehörte und seit 2019 auch Mitglied des Synodalen Weges war.
Der 28-jährige Familienvater Benjamin Nohe hatte bereits zuvor dem Vorstand des Diözesanrats angehört. Aufgewachsen ist er im Buchener Stadtteil Waldhausen. Nach einer typischen „Karriere“ in der kirchlichen Jugendarbeit unter anderem als Ministrant, Gruppenleiter und als BDKJ-Dekanatsleiter begann Benjamin Nohe ein Theologiestudium in Freiburg, das er aber nicht zu Ende führte, weil er die wissenschaftliche Theologie nicht mit seinem persönlichen Glauben zusammenbringen konnte, wie er bei seiner Vorstellung erläuterte. Stattdessen absolvierte er eine Schreinerlehre und befindet sich inzwischen auf dem Weg zur Meisterprüfung. „Ich durfte in den letzten fünf Jahren spüren, wie wichtige Ehrenamtliche und die Gremienarbeit in der Kirche sind“, so Nohe. „Mein sehnlichster Wunsch ist es , dass meine Kinder und die kommende Generation die gleichen Erfahrungen in der Kirche machen dürfen.“
Ergänzt wird der Vorstand des Diözesanrats durch vier stellevertretende Vorsitzende. Hier wurden die bisherigen Vorstandsmitgliedern Klemens Gramlich aus der Pfarrei St. Aegidius Wiesloch und Ute Fischer aus der Pfarrei Herz Jesu Singen in ihrem Amt bestätigt. Dazu kommen künftig Claudia Klant aus der Pfarrei St. Stephan Karlsurhe und Stefan Eschbach aus der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Hochschwarzwald.
Bereits zu Beginn der Vollversammlung waren sieben Einzelpersönlichkeiten in den Diözesanrat hinzugewählt worden: Stephanie Bohlen, die Rektorin der Katholischen Hochschule Freiburg, die Mosbacherin Gerlinde Gregori, die sich in der Blindenselbsthilfe und Blindenseelsorge engagiert, Martina Höhmann aus Kenzingen, die Vorsitzende des Regionalverbandes Donum Vitae Freiburg, der CDU-Landtagsabgeordnete und Staatssekretär im Bildungsministerium Volker Schebesta, die grüne Landtagsabgeordnete und Bäuerin Martina Braun, Hubert Ryboth von der polnischen Mission in Singen und der Ettenheimer Bürgermeister Bruno Metz.
Im Zuge der Vollversammlung stattete auch Erzbischof Stephan Burger dem neuen Diözesanrat einen Besuch ab. Zum einen, um den Mitgliedern des Gremiums für ihr Engagement zu danken, zum anderen um die Arbeit von Martina Kastner zu würdigen. Die scheidende Vorsitzende habe dem Diözesanrat über 15 Jahre hinweg in der Öffentlichkeit „Gesicht und Stimme gegeben“, so der Erzbischof. Ihre kritische Haltung zu manchen Entwicklungen und Ereignissen sei immer einhergegangen mit dem Anliegen, „mit der Kirche verbunden zu sein und verbunden zu bleiben“. Stephan Burger verwies überdies auf zahlreiche weitere Ämter, die Martina Kastner in der Vergangenheit innehatte habe – von der Mitgliedschaft im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)über den Vorsitz bei des kfd-Diözesanverbandes und der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände im Erzbistum Freiburg und nicht zuletzt des Pfarrgemeinderates und des Pfarreirates. „Wir mögen nicht immer der gleichen Meinung sein, umso mehr gilt mein persönlicher Dank für dieses Engagement“, betonte der Erzbischof, der mit Hermann Schwörer zuletzt noch ein weiteres langjähriges Mitglied im Vorstand des Diözesanrats würdigte.
Im weiteren Verlauf der Vollversammlung stellte der Diözesanrat wichtige Weichen für die inhaltliche Arbeit in den nächsten Jahren. Dafür steht die Gründung von Ausschüssen zu den Themen „Politik und Gesellschaft“, „Weltkirche und Partnerschaft“, „Gelebte Synodalität in der Erzdiözese Freiburg“ und „Kirchenentwicklung“.
Thomas Schmidl, der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses „Weltkirche und Partnerschaft“, verwies bei der Vollversammlung auf die neue Webseite „Macht Kritisch Weltkirche“. Die Plattform bietet Materialien und Impulse, die dazu einladen, koloniale Kontinuitäten ebenso wie das fortbestehende Nord-Süd-Gefälle in den Blick zu nehmen, Privilegien zu hinterfragen und eine sensiblere Praxis in Gemeinden, Gremien und kirchlichen Partnerschaften zu fördern.