Ein Impuls von Johann Beichel
Soziologen und Pädagogen, auch Kinder- und Jugendpsychiater erkennen bei vielen Kindern Verwöhnungstendenzen. Das Bitten, Danken und geduldige Warten haben sie sich wohl deshalb abgewöhnt, weil fast jedes Bitten-um-Etwas von Eltern zeitnah befriedigt werden kann und wird.
Mitunter können Familien es sich finanziell leisten, und die Konsumwelt garantiert immer schnellere Lieferungen. Aggressive und manipulative Werbung verführt zu oberflächlicher Erwartungsbefriedigung mit kurzen Halbwertszeiten der angehäuften Wegwerfgüter. Ein Blick in manche Kinderzimmer verdeutlicht diese Gefahr.
Mitunter können Familien es sich finanziell leisten, und die Konsumwelt garantiert immer schnellere Lieferungen. Aggressive und manipulative Werbung verführt zu oberflächlicher Erwartungsbefriedigung mit kurzen Halbwertszeiten der angehäuften Wegwerfgüter. Ein Blick in manche Kinderzimmer verdeutlicht diese Gefahr.
Dankbarkeit und Wertschätzung – ein Auslaufmodell?
Gespanntes und geduldiges Warten, auch Sich-Freuen-Können kommen zunehmend aus der Mode, denn Wünsche werden rasch erfüllt, bisweilen nervenschonend oder um des lieben Friedens willen. Dankbarkeit, Wertschätzung, Sparsamkeit und Respekt mutieren dabei zu Auslaufmodellen.
Mit dieser Entwicklung einher gehen ausufernde Bequemlichkeiten, verminderte Anstrengungsbereitschaft bis zur Leistungsverweigerung, wenig Durchhaltevermögen und reduzierte Geduld: Es ist ja alles vorhanden, zumindest schnell und bequem zu beschaffen. Solche Ge- und Verwöhnungsaspekte erreichen die Schulzeit mit bedrohlichen Spätfolgen auch für das Arbeitsleben, spätere Berufszufriedenheit und allgemeine Gesundheit. Vereine und Ehrenamt können über die Konsequenzen der neuen Bequemlichkeiten ein trauriges Lied singen.
Was hat dies alles mit der Religion oder unserer Gottgläubigkeit zu tun? Denken wir zunächst an die immateriellen Werte: Wie gehen Kinder und Heranwachsende mit der Anspannung und ihren Sorgen vor besonderen Herausforderungen, Tests und Klassenarbeiten um, vor Examen, Prüfungslehrproben oder Vorstellungsgesprächen? Wie erbitten sie Beistand, wie finden sie Zuversicht, Hoffnung und den Glauben an einen positiven Ausgang der bevorstehenden Herausforderung?

Das starke Individuum als letzte Festung ist ein Trugbild, wie sich mit einem Blick in den grenzenlosen Kosmos schonungslos offenbart.
Wo die materiellen Hilfen und das elterliche Wegräumen spezifischer Hürden und Schwierigkeiten enden, sind Betroffene und Betrübte möglicherweise so allein, dass sie emotionale und spirituelle Zuflucht suchen, Irrwege nicht ausgeschlossen. Jetzt wäre der Weg offen, den Schöpfer des Himmels und der Erde anzurufen, um dann mit Gottvertrauen neue Energie zu schöpfen. Gläubige kennen diese Kraft und müssen das Alleinsein und ihre Letztinstanzlichkeit nicht länger einsam ertragen. Denn es gibt eine Instanz, die sie schützt, bewacht, ihnen beisteht und für Dank und Hilfesuchen immerfort erreichbar und empfänglich ist.
Doch vor dem persönlichen Gottesglauben kommt das allgemeine Glauben-Können und Glauben-Wollen im Sinne einer grundsätzlichen Bereitschaft. Denn oberhalb vermeintlich gesicherten Wissens müssen wir auch Annahmen, Vermutungen, Erwartungen und Möglichkeiten akzeptieren, die gesicherter Erkenntnis noch zugeführt werden müssen.
Das starke Individuum als letzte Festung ist ein Trugbild
Die Welt wird immer öfter als kausal, mit rational erfassbarer Immanenz und geschlossen vorgestellt. Man tut, als gebe es keine Transzendenz. Das „multimächtige“ und starke Individuum als letztinstanzliche Festung, die allen Herausforderungen standhalten kann, ist ein Trugbild, das sich in gesundheitlichen und zwischenmenschlichen Krisen, auch angesichts unserer Vergänglichkeit und mit Blick in den grenzenlosen Kosmos, schonungslos offenbart.
Tatsächlich haben wir die Freiheit, entweder an den Schutz eines Schöpfergottes zu glauben oder uns der erbarmungslosen Gleichgültigkeit der realen Welt zur überlassen. Ersteres scheint der hilfreichere und tröstlichere Weg zu sein, finden gläubige Christen, Eltern und Großeltern. Jetzt stehen wir gemeinsam vor der großen Herausforderung, nachwachsende Generationen von diesem Angebot zu überzeugen, bevor sie im Müll des materiellen Überangebotes untergehen – oder am Allein-sein verzweifeln.