Zahl der Kriegsopfer in Israel steigt

10.10.2023 |

Der Krieg in Israel hält an. Nach dem Fund von rund 100 Leichen in einem Kibbuz in der Nähe des Gazastreifens stieg die Zahl der Todesopfer in der Nacht auf 900. Zwischen 100 und 150 Israelis sollen in den Gazastreifen verschleppt worden sein.

Leere Gassenin Jerusalems Altstadt ... Die Angriffe der Hamas auf Israel haben das ganze Land in Schock versetzt, die sonst belebten Gassen der Jerusalemer Altstadt sind gähnend leer. Weltweit wurde dem Staat Israel Solidarität bekundet: Bundespräsident Steinmeier verurteilte die Angriffe der Hamas scharf. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Bätzing, verurteilte die Attacken als feige. Der Nahe Osten brauche endlich einen echten Friedensprozess, der die Interessen von Israelis und Palästinensern berücksichtige. 
 
Im israelischen Kibbuz Beeri sind am Montagabend die Leichen von 108 Israelis geborgen worden, die von Terroristen getötet wurden. Die Zahl der israelischen Opfer seit Beginn der Angriffe der radikalislamischen Hamas auf Israel stieg damit auf 900, wie israelische Medien berichteten. Die Zahl der Verletzten stieg auf rund 2.700. Die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen sowie die israelischen Gegenschläge hielten auch am Dienstag an. An der Nordgrenze zum Libanon ist die Lage ebenfalls angespannt.
 
Der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan erklärte in einem CNN-Interview, dass zwischen 100 und 150 Israelis von Hamas-Kämpfern in den Gazastreifen entführt wurden. Unter den Toten, Verletzten und Entführten soll auch eine beträchtliche Zahl Ausländer sein, darunter viele Gastarbeiter in der Landwirtschaft und der Altenpflege.
 
Die israelische Armee erklärte laut Berichten, sie habe die volle Kontrolle über die Grenze zum Gazastreifen zurückgewonnen. Es seien keine weiteren Terroristen nach Israel eingedrungen. Es könne jedoch sein, dass sich noch eine kleine Zahl palästinensischer Terroristen in Israel verstecke. Insgesamt seien die Leichen von rund 1.500 militanten Hamas-Kämpfern auf israelischen Boden gefunden worden.
 
„Mir blutet das Herz“, schreibt Nahost-Korrespondentin Andreas Krogmann, als sie am frühen Morgen in Jerusalem die ersten Einschläge hört – in einem unter dem Eindruck es heraufziehenden kriegerischen Konflikts verfassten Gastkommentar für das Konradsblatt hat die Nahost-Korrespondentin ihre ersten Eindrücke verarbeitet.
 
 

Pfarrer in Angst
 
Unterdessen zeigte sich der Pfarrer der kleinen katholischen Gemeinschaft in Gaza, Gabriel Romanelli, bestürzt über die neuste Eskalation der Gewalt. Die in Gaza eingeschlossene Bevölkerung sei in Angst vor den Gegenschlägen durch die israelische Armee. „Niemand weiß, wo das alles enden wird, und leider gibt es keine Anzeichen dafür, dass es bald zu Ende sein wird“, sagte er dem vatikanischen Pressedienst Fides am Montag.
 
In der Bevölkerung des Gazastreifens, die unter Herrschaft der radikalislamischen Hamas steht, seien Angst und Ungewissheit groß, was die nächsten Tage und Wochen bringen werden. „Früher haben schon viel weniger ernste Ausgangslagen als die jetzige zu sehr langen Kriegen geführt“, so der argentinische Priester. Ihm gehe jetzt der Appell von Papst Pius XII. vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs durch den Kopf: „Mit dem Frieden ist nichts verloren, mit dem Krieg kann alles verloren sein“, zitierte der Pater.
 
Man könne jetzt nur „beten und hoffen, dass der Krieg so bald wie möglich endet, damit die Wunden bald heilen und dann Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, nach denen sich so viele Israelis und Palästinenser in ihren Herzen sehnen“, so Romanelli.
 
„Fehler von historischem Ausmaß“
 
Israel rief den Palästinensern laut Berichten von Dienstag dazu auf, den Gazastreifen über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten zu verlassen. Nach palästinensischen Angaben starben bei den israelischen Luftangriffen bisher rund 700 Palästinenser, 3.900 wurden verletzt. Die Vereinten Nationen sprechen laut Berichten von 187.000 Binnenvertriebenen.
 
Die Hamas werde verstehen, dass sie mit ihrem Angriff „einen Fehler von historischem Ausmaß begangen hat“, erklärte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Montagabend in einer Ansprache an das Volk. Israel werde einen Preis fordern, an den die Hamas und „Israels andere Feinde sich noch Jahrzehnte lang erinnern werden“. Netanjahu verglich die Hamas dabei mit der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) und forderte „die Kräfte der Zivilisation“ auf, Israel beim Sieg über die Hamas zu unterstützen.
 
Auch der israelische Präsident Isaac Herzog verglich die Verbrechen der Hamas mit dem IS und seiner kaltblütigen Grausamkeit. „Seit dem Holocaust sind nicht mehr Juden an einem Tag ermordet worden“, schrieb er einem Beitrag für das US-amerikanisches Magazin „Time“. Die Zahlen würden weiter steigen, da die israelischen Rettungskräfte immer noch ermordete Familien in ihren Häusern finden würden. Die Zahl der Opfer im Vergleich zur Bevölkerungszahl sei bereits jetzt „mehr als siebenmal so hoch wie die Zahl der Opfer der Zwillingstürme“ in New York am 11. September 2001.
 
Israelische Medien berichteten unter Berufung auf die Datenbank zu weltweitem Terrorismus der US-amerikanischen Universität Maryland, es handele sich bei dem gegenwärtigen Angriff um den fünftschwersten Terrorangriff weltweit seit 1970.
 
Andrea Krogmann