„Wunderbar geschaffen!“

25.02.2025 |

Über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg engagieren sich Frauen (und Männer) beim Weltgebetstag dafür, dass Mädchen und Frauen überall auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können. So entstand die größte Basisbewegung christlicher Frauen weltweit. 

„Wunderbar geschaffen!“: Christliche Frauen der Cookinseln haben das Motto der Weltgebetstagsliturgie 2025 mit Leben gefüllt. Es stammt aus Psalm 139 und lädt zum Dank für das Geschenk des Lebens und die Schöpfung ein. Das Bildmotiv dazu wurde von den einheimischen Künstlerinnen Tarani Napa und Tevairangi Napa (Mutter und Tochter) geschaffen und illustriert farbenprächtig das traditionelle Leben der Cook-Insulanerinnen mit Strand und Palmen, Blumen im Haar und Handarbeiten.
 
Weiße Sandstrände, blaue Lagunen, grüne Berge und Meer, soweit das Auge reicht. Die Cookinseln, eine Gruppe von 15 Inseln im Südpazifik, von Europa aus immer auf der anderen Seite der Erdkugel und elf Stunden hinter unserer Zeit, sind Traumziel für tausende Urlaubsreisende im Jahr. Sie sind auch die Heimat der christlichen Frauen, die den Gottesdienst zum Weltgebetstag 2025 verfasst haben. 

Der Titel „I made you wonderful!“ – deutsche Übersetzung: „wunderbar geschaffen!“ – fasst zusammen, was zusammengehört: faszinierende Landschaften, der betörend blaue Pazifik, Pflanzen und Tiere, Menschen und ihre Beziehungen. Am 7. März wird die Liturgie der Frauen von den Cookinseln weltweit in unzähligen ökumenischen Gottesdiensten gefeiert. Dabei wird, getreu dem Motto der Weltgebetstagsbewegung, „informiert gebetet“ und „betend gehandelt“. Für die weltweit größte christlich-ökumenische Bewegung gehört das seit den Anfängen zusammen: Lernen von Land und Leuten, Einsatz für Bildung und Gerechtigkeit, Solidarität mit Mädchen und Frauen vor Ort. 

Weiter weg geht es kaum – wohl auch damit dürfte es zusammenhängen, dass der kleine Archipel im Südpazifik so selten in hiesigen Schlagzeilen auftaucht. Allein schon die Suche auf dem Globus oder in einer Online-Weltkarte gleicht der nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Erst nach langem Hineinzoomen ins tiefe Blau am Bildschirm taucht irgendwann ein kleines Eiland auf: die Hauptinsel Rarotonga. Langsam erscheinen drum herum weitere kleine Inseln. Insgesamt 15 bilden die Cookinseln, eingeteilt in eine südliche und eine nördliche Inselgruppe. Drei sind nicht bewohnt. 
Zusammen haben die Inseln eine Landfläche von 237 Quadratkilometern. Das entspricht der Stadtfläche von Bielefeld. Das Seegebiet allerdings, das zu den Cookinseln gehört, stimmt demütig: Es umfasst zwei Millionen Quadratkilometer – das ist etwa fünf Mal die Größe der Bundesrepublik Deutschland. Und die nächste größere Landmasse – Neuseeland – ist mehr als 3500 Kilometer entfernt, so weit wie Berlin von Baku am Kaspischen Meer.

Bilder aus dem Landesinneren zeigen üppiges Grün, Felder und blühende Gärten. Und immer wieder Ausblicke auf die dicht mit Bäumen bewachsenen Berge, ehemalige Vulkane. Der Te Manga und der Te Atakura sind mit 653 und 638 Metern die höchsten Erhebungen auf den Inseln. 

Nur etwa 15 000 Menschen leben auf den Cookinseln, zwei Drittel davon auf Rarotonga. Von den anderen Inseln, den „Outer Islands“, ziehen vor allem die jungen Menschen weg; es fehlt an Arbeitsplätzen. Sie gehen entweder auf die Hauptinsel oder gleich nach Neuseeland und Australien.
 
Der Exodus qualifizierter junger Leute heute gehört zu den großen Herausforderungen des diesjährigen Weltgebetstagslandes. Behutsam deutet die ins Deutsche übertragene Weltgebetstagsliturgie mit Liedern, Gebeten und Geschichten weitere Schattenseiten an: die Unterdrückung der Maori-Kultur während der britischen Kolonialzeit, häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder und die Pläne zum Bergbau am Meeresboden der Tiefsee. Die Regierung der Cookinseln befürwortet den Ausbau der so genannten extraktiven Industrie zur Gewinnung von Tiefseemineralien; große Teile der Zivilgesellschaft sind dagegen. Bei diesem Thema schaut die Welt ausnahmsweise auf den kleinen Inselstaat im Südpazifik.

Seit Ankunft der London Mission Society Anfang des 19. Jahrhunderts bekennen sich die meisten Menschen auf den Cookinseln zum christlichen Glauben. Ökumenische Zusammenarbeit findet vor allem über den Religious Advisory Council (RAC) statt, in dem die sechs anerkannten Kirchen vertreten sind. Der RAC dürfte weltweit eines der wenigen ökumenischen Gremien sein, das nicht von den jeweiligen Mitgliedern ins Leben gerufen, sondern von der Politik eingefordert wurde. 1968 legte die Regierung der Cookinseln fest, dass bei allen wichtigen Entscheidungen auch die Kirchen um ihre Meinung gefragt werden sollen.
 
Brigitte Böttner 
 

Der Weltgebetstag

Der Weltgebetstag (WGT) mit Büro in New York ist die größte ökumenische Basisbewegung christlicher Frauen weltweit und wird jedes Jahr von einem anderen Land vorbereitet, 2024 war es Palästina, 2026 wird es Nigeria sein. Sie hat international eine knapp 100-jährige Geschichte (gegründet 1927) und wird in über 150 Ländern gefeiert – jeweils am 1. Freitag im März. Im Jahr 2024 kamen in Deutschland anlässlich des Weltgebetstags aus Palästina Spenden und Kollekten von knapp 2,4 Millionen Euro zusammen.