Pflegende Angehörige: Caritas fordert 4,7 Milliarden Euro
20.05.2025 |
Seit langem wird um tragfähige Modelle für die Pflege kranker und alter Menschen durch Angehörige gerungen. Ohne deutlich mehr Geld ist nichts zu machen, findet die Präsidentin der Caritas. Tatsächlich wird im Koalitionsvertrag ein Pflegegeld als Lohnersatz in Aussicht gestellt. Ob und wann die neue Sozialleistung eingeführt wird, steht allerdings in den Sternen.
Pflegende Angehörige, die sich beruflich einschränken müssen, sind in besonderer Weise auf staatliche Hilfe angewiesen.
Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa fordert mehr Geld für die Pflege kranker und alter Menschen durch Familienmitglieder. In einem Interview des “Tagesspiegel“ sprach sie von insgesamt 4,7 Milliarden Euro pro Jahr. Konkret seien zwei Milliarden Euro zusätzlich für flexible Pflegebudgets, also passgenaue Unterstützung, rechnete die Präsidentin vor. „Weitere zwei Milliarden Euro pro Jahr braucht es, um aus Pflegezeit und Familienpflegezeit ein alltagstaugliches Entlastungsangebot zu machen, noch einmal 700 Millionen Euro für die Zusammenführung von Kurzzeit- und Verhinderungspflege.“
Dies alles sei wichtig, „damit Angehörige die Pflichten, die sie als Pflegende übernehmen, besser mit ihrem sonstigen Leben vereinbaren können“, so Welskop-Deffaa. Sie denke dabei beispielsweise «an die 50-jährige berufstätige Physiotherapeutin, die sich nach ihrem Acht-Stunden-Tag eine Stunde ins Auto setzt, um zu ihrer Mutter am anderen Ende der Stadt zu fahren. Zum Beispiel, weil für diesen Wochentag kein Pflegedienst zu bekommen ist. Sie bleibt eine Stunde bei ihrer Mutter und versorgt sie, dann fährt sie eine Stunde zurück nach Hause, wo ihr eigener Haushalt wartet.“
Für die Betroffenen bedeute ein solcher Zwölf-Stunden-Tag eine riesige Belastung, betonte die Caritas-Präsidentin. Sie fügte hinzu: „Wer pflegende Angehörige nicht endlich entlastet, dem wird es übrigens auch nicht gelingen, die Zahl der Arbeitsstunden von Frauen zu erhöhen, wie Schwarz-Rot es sich vorgenommen hat.“
Im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierung wird zwar tatsächlich ein Pflegegeld in Aussicht gestellt. Und Bundesfamilienministerin Karin Prien betonte in einem Interview der Zeitungen der Funke Mediengruppe auch die Bedeutung der geplanten neuen Sozialleistung. Allerdings müsse sich dafür die wirtschaftliche Lage verbessern. Und selbst wenn das klappen sollte „wird man Schwerpunkte setzen müssen. Und oberste Priorität hat für mich mehr Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche“, betonte die CDU-Politikerin.
Davon unabhängig sei es im Interesse der gesamten Gesellschaft, dass ein Pflegegeld komme, sagte die Ministerin. „Es wird mit unserer demographischen Entwicklung nicht möglich sein, dass Pflege allein von Fachkräften geleistet wird. Deshalb müssen wir einen Einstieg in ein Pflegegeld als Lohnersatz für pflegende Angehörige schaffen.“