Bundespräsident: Mehr Wertschätzung für Menschen vom Land
08.06.2023 |
Zwischen Menschen aus der Stadt und vom Land braucht es nach Ansicht von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mehr Dialog und Wertschätzung.
„Ich wünsche mir, dass wir in unseren Debatten stärker die Perspektive von Menschen aus dem ländlichen Raum hören“, sagte er bei einer Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Nürnberg. Sehr deutlich warnte er davor, Menschen vom Land als hinterwäldlerisch abzutun.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Evangelischen Kirchentag in Nürnberg.
„Das ist weit mehr als eine Stilfrage“, betonte das Staatsoberhaupt. „Denn es ist der Anspruch der Demokratie, Raum zu bieten für die Vielfalt. Wenn größere gesellschaftliche Gruppen sich nicht mehr repräsentiert fühlen, dann bröckelt die Demokratie.“ Viele Menschen hätten ihm bei Besuchen im ländlichen Raum gesagt, dass sie sich oft abgewertet und abgehängt fühlten. „Es muss uns gelingen die Vielfalt von Lebensentwürfen abzubilden und wertzuschätzen“, mahnte Steinmeier und ergänzte unter dem Applaus mehrerer hundert Zuhörerinnen und Zuhörer: „Gemeinsam werden wir diese Demokratie verteidigen.“
Steinmeier setzte sich mit der biblischen Geschichte von der Hochzeit zu Kana im Johannes-Evangelium auseinander. „Es ist ein, milde gesagt, schwieriger Text“, so Steinmeier. „Eine Hochzeit, bei der Wasser in Wein verwandelt wird, Jesus als Zauberer, ist das nicht ein bisschen zu dick aufgetragen bei seinem erstem Wunder?“ Er selbst tue sich mit dem Text schwer, bekannte der evangelische Christ.
"Aus der Botschaft Gottes tiefe Kraft und Zuversicht schöpfen"
Zugleich gehe von Jesus in der Geschichte die Botschaft aus: „Wo ich bin, können sich Dinge zum Besseren wandeln.“ Steinmeier erklärte, aus dieser Botschaft Gottes könne man eine tiefe Kraft und Zuversicht schöpfen, dass Veränderung möglich sei. „Wie gut tut diese Zusicherung. Auch wenn wir auf die Ukraine schauen oder die Situation der vielen Flüchtlinge“, sagte Steinmeier. „Wir können das Leid nicht immer abschaffen und oft nicht sofort, aber wie können Veränderungen schaffen.“
Der am Mittwochabend eröffnete Kirchentag dauert noch bis Sonntag. Es sind rund 2.000 Veranstaltungen geplant. Etwa 60.000 Menschen haben sich nach Angaben der Veranstalter zu dem christlichen Großevent angemeldet.