Der Papst stirbt, und eine Maschinerie läuft an

22.04.2025 |

Mediales Trommelfeuer begleitet jede schwere Krankheit eines Papstes. Es findet seinen Höhepunkt beim Tod des Kirchenoberhaupts. Hinter den Kulissen des Vatikans läuft dann eine Maschinerie nach festgelegten Regeln an. Was geschieht demnächst in Rom und in der Weltkirche?

Kardinal Kevin Joseph Farrell (2.v.l.), Camerlengo der Heiligen Römischen Kirche, verliest die Erklärung zum Tod von Papst Franziskus am 21. April 2025 in der Kapelle Santa Marta im Vatikan. Dabei sind Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (l.), Erzbischof Edgar Robinson Pena Parra, Substitut des Vatikanischen Staatssekretariats, und Erzbischof Diego Giovanni Ravelli (r.), Zeremonienmeister der päpstlichen liturgischen Feiern.
 
 
Niemand hat mehr „Untertanen“ als der Papst. Wenn das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken weltweit stirbt, müssen sie informiert und Vorbereitungen für die Nachfolge getroffen werden. All dies folgt einem strengen Protokoll und ist an spezielle Personen gebunden. Nur wenige Verantwortungsträger bleiben im „Fall der Fälle“ im Amt. Die Leiter im Staatssekretariat, vergleichbar mit dem Bundeskanzleramt, und den „Dikasterien“ - in etwa Ministerien - verlieren mit dem Papsttod ihren Posten. Nur ihre Stellvertreter amtieren weiter.
 
In dieser Phase ist der Kämmerer der katholischen Kirche („Camerlengo“) neben dem Dekan des Kardinalskollegiums eine der wichtigsten Figuren im Vatikan. Camerlengo ist derzeit der irisch-US-amerikanische Kardinal Kevin Farrell (77). Er stellt den Tod des Kirchenoberhaupts fest, versiegelt päpstliches Arbeitszimmer und Wohnung. Dann ist es seine Aufgabe, die Todesnachricht zu verbreiten. So benachrichtigt er das Bistum Rom, dessen Bischof der Papst ist.
 
Wichtige Rolle für Marx
 
Außerdem unterrichtet zumeist er den Dekan des Kardinalskollegiums. Der 91-jährige Kardinal Giovanni Battista Re wurde gerade in diesem Amt bestätigt. Der Dekan gibt die Information an alle Kardinäle weltweit weiter und ruft sie nach Rom. Gleichzeitig teilt er den Tod den diplomatischen Vertretern beim Heiligen Stuhl und den Staatsoberhäuptern der betreffenden Nationen mit.
 
Die aktuell 252 Kardinäle übernehmen bis zur Wahl eines neuen Papstes die Verwaltung des Staates Vatikanstadt. Der Kämmerer kümmert sich gemeinsam mit drei assistierenden Kardinälen um die Güter und Rechte des Heiligen Stuhls und bezieht das Kardinalskollegium bei schwerwiegenden Fragen mit ein. Der deutsche Kardinal Reinhard Marx (71) ist als Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrates fest als Unterstützer des Camerlengo gesetzt. Die beiden anderen assistierenden Kardinäle werden alle drei Tage unter den Anwesenden per Los bestimmt.
 
Symbol der Apostolischen Sedisvakanz in lateinischer Sprache nach dem Tod von Papst Franziskus.

Grundsätzlich soll in der Zeit der Sedisvakanz der Status quo erhalten bleiben. Falls neue Normen erlassen werden, behalten sie lediglich bis zur Wahl eines neuen Papstes ihre Gültigkeit.
 
Die Trauerzeremonien
 
Während der Kardinaldekan hauptsächlich mit den Vorbereitungen der Papstwahl befasst ist, ist der Camerlengo für den Ablauf der Trauerfeierlichkeiten zuständig. Franziskus hat diese 2024 vereinfacht. Nach dem Tod wird der mit einem Messgewand bekleidete Papst in einem Sarg in die Privatkapelle jenes Ortes gebracht, an dem er gestorben ist.
 
Darauf folgen die rituelle Feststellung des Todes sowie ein erster Moment des Gebets in Anwesenheit von lediglich vier Personen: dem Kämmerer, dem Kardinaldekan, dem Direktor des vatikanischen Gesundheitsamtes, aktuell der Mediziner Andrea Arcangeli, und dem Päpstlichen Zeremonienmeister, derzeit Erzbischof Diego Giovanni Ravelli. Dieser ist für die Vorbereitung der Orte und den Ablauf des Bestattungsritus zuständig.
 
Danach können dort auch weitere ihm nahestehende Personen Abschied nehmen. Anschließend werden die sterblichen Überreste in einer Prozession in den Petersdom überführt, wo ein kurzer Wortgottesdienst gefeiert wird. Am Sarg - nicht wie noch bei Benedikt XVI. 2023 an einem Katafalk - haben Menschen aus aller Welt seit Mittwochmorgen die Möglichkeit, dem Pontifex die letzte Ehre zu erweisen und Abschied zu nehmen.
 
 
Am Vorabend von Totenmesse und Beisetzung, deren Datum die Kardinäle zuvor festgelegt haben, verschließt der Kämmerer in einer Zeremonie den Sarg.
 
Richtung „Ewige Ruhe“
 
Der Kardinaldekan steht der Trauermesse, die rund eine Woche nach dem Tod des Papstes stattfindet, auf dem Petersplatz vor. Anschließend wird der Sarg zum Bestattungsort begleitet, dort versiegelt und in das vorgesehene Grab gelegt. Papst Franziskus hat verfügt, in seiner römischen Lieblingsbasilika Santa Maria Maggiore beigesetzt zu werden, nicht in der Papstgruft unter dem Petersdom. Hat er dort seine Ewige Ruhe gefunden, beginnen die „Novemdiales“. In dieser neuntägigen Trauerzeit werden Messen für den gestorbenen Papst gefeiert. In dieser Phase trifft sich das gesamte Kardinalskollegium immer wieder zu Versammlungen, dem sogenannten Vorkonklave. Am Ende entscheiden sie, wann das eigentliche Konklave beginnen soll.
 
Frühestens am 15., spätestens am 20. Tag nach dem Tod oder Amtsverzicht eines Papstes müssen die Kardinäle zur Wahl eines Nachfolgers zusammentreten. Dazu werden sie vom Dekan des Kardinalskollegiums einberufen, derzeit der Italiener Giovanni Battista Re (91). Der Begriff Konklave stammt aus dem klassischen Latein und bedeutet „verschlossener Raum“. Denn während des Wahlvorgangs sind die Kardinäle von der Außenwelt abgeschlossen.
 
Ein Mitarbeiter des Vatikan versiegelt die Päpstliche Wohnung im Apostolischen Palast im Vatikan.
 
 
Von den aktuell 135 Wahlberechtigten kommen 53 aus Europa, davon 16 aus Italien. Asien stellt 23 Wähler, Lateinamerika (mit Mexiko) 21, Afrika 18, Nordamerika 16 und Ozeanien 4. Wohl kaum eine andere Wahl ist so detailliert geregelt wie die eines Papstes. Die in Rom anwesenden wahlberechtigten Kardinäle ziehen von der Cappella Paolina im Apostolischen Palast in die Sixtinische Kapelle ein. Der Einzug richtet sich nach ihrer Rangfolge. Die zuletzt ernannten aus der niedrigsten Klasse der Kardinäle, der Kardinaldiakone, stehen an der Spitze.
 
Alle raus!
 
Der ranghöchste Kardinalbischof unter 80 Jahren, Pietro Parolin (70), der das Konklave leitet, zieht als letzter in die Sixtinische Kapelle ein. Dort müssen die Kardinäle unter Eid versprechen, die Wahlvorschriften gewissenhaft zu beachten und absolute Geheimhaltung zu wahren. Anschließend ruft der päpstliche Zeremonienmeister „extra omnes“ (alle hinaus!). Daraufhin müssen alle am Konklave beteiligten Nichtwähler die Sixtina verlassen. Es folgt ein geistlicher Vortrag.
 
Der Wahlgang selbst verläuft wie folgt: Zur Abgabe ihres Stimmzettels treten die Kardinäle einzeln „allen sichtbar mit erhobener Hand“ vor den Altar, legen den Zettel in die Urne und sprechen eine weitere Eidesformel: „Ich rufe Christus, der mein Richter sein wird, zum Zeugen an, dass ich den gewählt habe, von dem ich glaube, dass er nach Gottes Willen gewählt werden sollte.“
 
Die Kardinäle sollen in „möglichst verstellter, aber deutlicher Schrift“ einen Namen auf den Stimmzettel schreiben und diesen zweimal falten. Der Stimmzettel ist rechteckig und enthält in der oberen Hälfte den Vordruck: „Eligo in Summum Pontificem“ (Ich wähle zum obersten Brückenbauer/Papst). Anschließend wird die Wahlurne geschüttelt, und die Stimmen werden öffentlich ausgezählt.
 
Viele Menschen, darunter Gläubige und Pilger, versammeln sich nach dem Tod von Papst Franziskus am Ostermontag auf dem Petersplatz im Vatikan.
 
Rauchzeichen
 
Zum Papst gewählt ist, wer zwei Drittel der Wählerstimmen auf sich vereinigt. Frühere Wahlmodi, etwa per Akklamation oder durch die Bestimmung von Wahlmännern, hat Johannes Paul II. (1978-2005) in seiner Papstwahlverordnung von 1996 abgeschafft. Die Stimmzettel werden anschließend bis zu zwei Mal täglich samt Unterlagen verbrannt. Dabei wird mittels Kartuschen mit Kalium-Perchlorat, Schwefel, Kaliumchlorat, Laktose oder Kolophonium schwarzer oder weißer Rauch als Signal für die Öffentlichkeit erzeugt. Schwarz, solange kein Papst gewählt wurde - weiß, wenn die Wahl erfolgreich war.
 
Jeder Kontakt nach außen, die Benutzung von Aufnahme- und Übermittlungsgeräten oder von Zeitungen, Radios und Fernsehen, ist den Papstwählern untersagt. Die Kardinäle wohnen im Gästehaus Santa Marta auf dem Gelände des Vatikanstaates. Zugelassen sind auch einige Helfer, darunter Ärzte, die, wie zuvor die Kardinäle, absolute Geheimhaltung schwören müssen.
 
Keine Verhandlungen
 
Während des Konklaves müssen sich die Kardinäle „jeder Form von Verhandlungen, Verträgen, Versprechen oder sonstiger Verpflichtungen jeder Art enthalten, die sie binden können, einem oder einigen die Stimme zu geben oder zu verweigern“, heißt es in der Wahlordnung. Andernfalls ziehen sie sich automatisch die Exkommunikation zu.
 
Nach erfolgter Wahl fragt der Kardinaldekan den Gewählten, ob er die Wahl annimmt und welchen Namen er sich gibt. Darüber fertigt der Päpstliche Zeremoniar eine Urkunde aus. Danach teilt der Kardinal-Protodiakon den auf dem Petersplatz wartenden Menschen mit den Worten „Habemus Papam“ (Wir haben einen Papst) die Wahl sowie den Namen des neuen Papstes mit. Dieser spendet dann seinen ersten Segen „urbi et orbi“.