Mehr Mut
08.11.2023 |
Viele von ihnen fühlen sich dort beheimatet und beklagen den Verlust dieses geprägten Ortes. Verständlicherweise erfolgt dann der Ruf an das Erzbistum, sich einer solchen Immobilie mit Kirchensteuermitteln anzunehmen, was dieses ablehnt. Das ist ebenso verständlich angesichts des klar formulierten Ziels, den kirchlichen Immobilienbestand deutlich zu reduzieren.
Umso bemerkenswerter erscheint auf diesem Hintergrund der Kauf des ehemaligen Klosters der Dominikanerinnen von Neusatzeck durch eine Genossenschaft. Menschen, die überwiegend nicht im kirchlichen Umfeld, sondern in der Spiritualität des Yoga verwurzelt sind, brachten es innerhalb kurzer Zeit fertig, mittels Eigenkapital und Kredit fast drei Millionen Euro aufzubringen und das Areal des Ordens zu erwerben. Eigentlich eine unglaubliche Geschichte. Und es wäre gut, in diesem Vorgang zuallererst eine positive Herausforderung zu erkennen. Denn diese Geschichte lässt sich auch als Anfrage an kirchliche Akteure jedweder Art deuten, die solche Eigeninitiativen offenbar gar nicht mehr in Betracht ziehen. Mangels Kraft, Mut und Leidenschaft.
Allzu bald werden flächendeckend liebgewonnene und zur Heimat gewordene kirchlichen Gebäude zur Disposition stehen. Sie sind um ein Vielfaches kleiner als ein Klosterareal, aber in ihrem unmittelbaren örtlichen Umfeld trotzdem von Bedeutung. Wäre das nicht wenigstens hier und dort ein Feld für ebenso spannende wie mutige basiskirchliche Initiativen engagierter Glaubensgenossinnen und -genossen?
Was sich von den Käufern des Klosters Neusatzeck lernen lässt
Der Rückgang des kirchlichen Lebens ist allumfassend. Sämtliche Bereiche sind davon betroffen. Die Folgen sind vielfältig. Manche treten erst nach einer gewissen Zeit zutage, andere sofort und augenfällig. Letzteres gilt, wenn einstmals blühende Klöster und Ordensgemeinschaften aufgrund fehlenden Nachwuchses an ihr Ende kommen. Damit gehen nicht nur spirituelle Zentren und anschauliche Orte einer authentischen und im besten Sinn radikalen christlichen Lebenspraxis verloren. Darüber hinaus stellt sich sowohl für die Orden selbst als auch für ihr Umfeld die Frage nach der Zukunft der zurückbleibenden, mitunter ausladenden Immobilien. Zumal dann, wenn diese Immobilien und Räumlichkeiten über Jahrzehnte hinweg auch anderen kirchlichen Gruppen zur Verfügung standen.
Viele von ihnen fühlen sich dort beheimatet und beklagen den Verlust dieses geprägten Ortes. Verständlicherweise erfolgt dann der Ruf an das Erzbistum, sich einer solchen Immobilie mit Kirchensteuermitteln anzunehmen, was dieses ablehnt. Das ist ebenso verständlich angesichts des klar formulierten Ziels, den kirchlichen Immobilienbestand deutlich zu reduzieren.
Umso bemerkenswerter erscheint auf diesem Hintergrund der Kauf des ehemaligen Klosters der Dominikanerinnen von Neusatzeck durch eine Genossenschaft. Menschen, die überwiegend nicht im kirchlichen Umfeld, sondern in der Spiritualität des Yoga verwurzelt sind, brachten es innerhalb kurzer Zeit fertig, mittels Eigenkapital und Kredit fast drei Millionen Euro aufzubringen und das Areal des Ordens zu erwerben. Eigentlich eine unglaubliche Geschichte. Und es wäre gut, in diesem Vorgang zuallererst eine positive Herausforderung zu erkennen. Denn diese Geschichte lässt sich auch als Anfrage an kirchliche Akteure jedweder Art deuten, die solche Eigeninitiativen offenbar gar nicht mehr in Betracht ziehen. Mangels Kraft, Mut und Leidenschaft.
Allzu bald werden flächendeckend liebgewonnene und zur Heimat gewordene kirchlichen Gebäude zur Disposition stehen. Sie sind um ein Vielfaches kleiner als ein Klosterareal, aber in ihrem unmittelbaren örtlichen Umfeld trotzdem von Bedeutung. Wäre das nicht wenigstens hier und dort ein Feld für ebenso spannende wie mutige basiskirchliche Initiativen engagierter Glaubensgenossinnen und -genossen?
Michael Winter