Friede diesem Haus

28.02.2024 |

Das neue Friedenspapier der Bischöfe

Es ist eine Tragik der Existenz der menschlichen Spezies, dass der Krieg, mit seiner vernichtenden Gewalt fester Bestandteil davon zu sein scheint. Dabei hatten wir in Europa in den vergangenen Jahrzehnten das Glück – und auch das Privileg – zu erfahren, dass es nicht so sein muss. Der Krieg war scheinbar verschwunden aus der Lebensrealität, oder zumindest in fernen Gegenden platziert.
 
Vor zwei Jahren änderte sich dies in der Wahrnehmung. Putin-Russland griff die Ukraine an. Zehntausende haben seitdem ihr Leben verloren, Millionen mussten flüchten. Der Krieg, er hat sich in unserem europäischen Weltbild wieder eingenistet; und mit dem Israel-Gaza-Krieg nach dem terroristischen Angriff der Hamas hat er eine noch erschreckendere Dimension eingenommen.
 
Diese neuen Realitäten haben dafür gesorgt, dass anders über den Frieden und vor allem den Weg zum Frieden gesprochen wird. Denn wie verhält man sich, wenn man feststellt, dass die andere Partei den Krieg und die Gewalt möchte? Oder wenn man realisieren muss, dass eine Nation in Unfreiheit geworfen wird, wenn ihr nicht das Recht zugesprochen wird, sich zu verteidigen, und wenn man sie nicht mit Waffenlieferungen unterstützt? Wie verhält man sich vor allem dann, wenn die Friedensbotschaft zur DNA des eigenen Glaubens gehört, wenn Jesus in der Bergpredigt die Gewaltfreiheit und die Feindesliebe einfordert?
 
Mit ihrem neuen Friedenswort „Friede diesem Haus“ versuchen die deutschen Bischöfe eine christliche Antwort auf diese Herausforderungen der Zeit zu geben, dieses ethische Dilemma zu lösen. Das Papier ist ein Ringen und es zeigt – gar nicht so selbstverständlich für die katholische Kirche –, dass die Kirche in der Realität steht. Einer Realität, in der einerseits Rüstungsanstrengungen „als unverzichtbares Element einer verantwortlichen Politik“ angesehen werden, und es andererseits ein Irrsinn ist, sich „angesichts der gewaltigen Probleme, die sich vor der Menschheit auftürmen, Unmengen von (...) Ressourcen zu verschleudern“, anstatt Wichtigeres zu tun, nämlich „alle Kräfte darauf zu konzentrieren, gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft zu meistern“.
 
Klar ist: Dieses Papier wird die Welt nicht verändern, Kriege stoppen ohnehin nicht. Seine Botschaften macht dies aber deshalb nicht unbedeutender. Unter anderem jene wichtige Grenze, die die Bischöfe ziehen: Jede militärische Intervention muss immer den Frieden als Motiv haben. Nichts anderes. Nicht den Wunsch nach Eroberung, nach wirtschaftlichem Reichtum und auch nicht den Wunsch nach Rache.
 
Daniel Gerber