Ein Weckruf
04.09.2024 |
Ein klares Wort, ein richtiges Wort – aber auch ein Wort, das Brisanz hat. Denn es adelt die Reibung, die sich naturgemäß auftut zwischen der festgeschriebenen bischöflichen Lehrautorität und der Autorität der akademischen Forschung. Wenn in der Hochphase des Synodalen Weges aus Rom Kritik am deutschen Reformweg geübt wurde, so war das auch eine implizite Kritik an der deutschen „Gelehrtentheologie“. Denn fraglos hat gerade die große Nähe zu anderen Wissenschaften für die besondere Qualität der deutschen „Lehre von Gott“ gesorgt. Die müsse sich „in Echtzeit vor dem Forum der wissenschaftlichen Vernunft“ beweisen, wie es so schön in dem bischöflichen Papier steht; und das heißt auch, die eigenen Lehrsätze so zu hinterfragen, dass sie nicht im Kontrast stehen zum Wissen der Zeit. Erst diese Auseinandersetzung verschafft der Theologie die Akzeptanz, die sie benötigt in einer Zeit, in der die Wissenschaften zu einem Motor jeder gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklung geworden sind.
Allerdings: Das Wort der Bischöfe muss auch ein Weckruf sein an die eine oder andere der Theologischen Fakultäten. Auch an den Hochschulen macht sich der Bedeutungsverlust der Religion bemerkbar, die Zahl der Studierenden ist erheblich eingebrochen. Dies wird mehr und mehr auch die Frage nach der Fortexistenz derzeit noch gut bestallter Lehrstühle aufwerfen, denn auch Hochschulen unterliegen einer beständigen Evaluation: Um vom Tropf der Grundsicherung weiter gut genährt zu werden, bedarf es eben auch des beständigen Nachweises, dass die Disziplin Relevanz hat in der Welt. Theologen müssen dies täglich unterstreichen – und nicht nur durch Beiträge in der innerkirchlichen Reformdebatte. Ein Professorenstuhl ist weniger denn je ein gut gepolstertes Ruhekissen. Wenn Theologie der Welt etwas zu sagen hat, dann ist es auch an den Hochschultheologen, das Wort in der Öffentlichkeit zu führen!
Theologie gehört zum Kanon der Wissenschaft – das verpflichtet
Welche große Bedeutung Gemeinschaft in der Welt der Gelehrsamkeit hat, das drückt sich bereits im Namen aus: „Universitas“, die Gesamtheit der Wissenschaften stand Pate bei der Gründung der Hochschulen. Die deutschen Bischöfe haben kürzlich deutlich gemacht, dass auch die Theologie zu dieser Gesamtheit gehört, dass sie unverzichtbar im Kanon der staatlichen Universitäten ihren Platz hat. Und nicht, so steht es im ungeschriebenen Teil des Papiers, in einer davon separierten, neu gegründeten „Kölner Hochschule für Katholische Theologie“.
Ein klares Wort, ein richtiges Wort – aber auch ein Wort, das Brisanz hat. Denn es adelt die Reibung, die sich naturgemäß auftut zwischen der festgeschriebenen bischöflichen Lehrautorität und der Autorität der akademischen Forschung. Wenn in der Hochphase des Synodalen Weges aus Rom Kritik am deutschen Reformweg geübt wurde, so war das auch eine implizite Kritik an der deutschen „Gelehrtentheologie“. Denn fraglos hat gerade die große Nähe zu anderen Wissenschaften für die besondere Qualität der deutschen „Lehre von Gott“ gesorgt. Die müsse sich „in Echtzeit vor dem Forum der wissenschaftlichen Vernunft“ beweisen, wie es so schön in dem bischöflichen Papier steht; und das heißt auch, die eigenen Lehrsätze so zu hinterfragen, dass sie nicht im Kontrast stehen zum Wissen der Zeit. Erst diese Auseinandersetzung verschafft der Theologie die Akzeptanz, die sie benötigt in einer Zeit, in der die Wissenschaften zu einem Motor jeder gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklung geworden sind.
Allerdings: Das Wort der Bischöfe muss auch ein Weckruf sein an die eine oder andere der Theologischen Fakultäten. Auch an den Hochschulen macht sich der Bedeutungsverlust der Religion bemerkbar, die Zahl der Studierenden ist erheblich eingebrochen. Dies wird mehr und mehr auch die Frage nach der Fortexistenz derzeit noch gut bestallter Lehrstühle aufwerfen, denn auch Hochschulen unterliegen einer beständigen Evaluation: Um vom Tropf der Grundsicherung weiter gut genährt zu werden, bedarf es eben auch des beständigen Nachweises, dass die Disziplin Relevanz hat in der Welt. Theologen müssen dies täglich unterstreichen – und nicht nur durch Beiträge in der innerkirchlichen Reformdebatte. Ein Professorenstuhl ist weniger denn je ein gut gepolstertes Ruhekissen. Wenn Theologie der Welt etwas zu sagen hat, dann ist es auch an den Hochschultheologen, das Wort in der Öffentlichkeit zu führen!
Klaus Gaßner