Tag der Gegensätze

05.11.2024 |

Gedanken zum 9. November von Christoph Ebner

Mit dem 9. November verbinden sich eine Reihe von Ereignissen, die im Zusammenhang stehen und in der Geschichte wie Wegmarken wirken. Die Ausrufung der Deutschen Republik am 9. November 1918 durch Philipp Scheidemann, der Hitler-Putsch von 1923, die Novemberpogrome von 1938, der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989. Oftmals wird vom Schicksalstag der Deutschen gesprochen und damit deutlich gemacht, dass der 9. November etwas gemacht hat mit unserer Nation.

Ich tue mich schwer, den Fall der Mauer mit dem Begriff Schicksal zu verbinden. Die friedliche Revolution in der DDR hat die Öffnung der Grenze erkämpft. Der 9. November ist für mich eher ein Tag der Gegensätze und vor allem ein wichtiger Tag in der deutschen Demokratiegeschichte. Wohl kein anderes Datum in der deutschen Geschichte hat derart die Emotionen geschürt und kontroverse Diskussionen hervorgerufen wie der 9. November.

Es ist gut, dass dieses Datum auch Thema an den Schulen ist. Die Kultusministerkonferenz hat dazu aufgerufen, jährlich am 9. November einen Projekttag durchzuführen. In diesem Jahr muss das einen Tag später stattfinden, denn der 9. November fällt auf einen schulfreien Samstag. Die Landeszentrale für politische Bildung bietet dazu umfassendes Material an, auch in leichter Sprache für Schülerinnen und Schüler, die sich (noch) schwer tun mit der deutschen Sprache.

1918, 1923, 1938, 1989 – diese Jahreszahlen möchte ich noch um zwei Daten und damit um zwei Namen ergänzen. Robert Blum wurde am 9. November 1848 in Wien erschossen. Er war Abgeordneter des Frankfurter Parlaments und wurde nach der Niederschlagung der deutschen Revolution ungeachtet seines Status als Abgeordneter zum Tode verurteilt. Der aus Köln stammende Blum starb für die Freiheit. Am Vorabend des 9. November 1939 zündete der württembergische Handwerker Georg Elser in München eine Bombe im Bürgerbräukeller, die Adolf Hitler beseitigen und den Krieg verhindern sollte. Das Attentat misslang. Elser wurde gefasst und wenige Wochen vor Kriegsende im Konzentrationslager Dachau ermordet. Auch er starb für die Freiheit. 
 
Der Journalist Christoph Ebner leitet das SWR-Studio Freiburg. 
Er hat vor 40 Jahren beim Konradsblatt seine journalistische Ausbildung gemacht.