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21.01.2025 |

Das Konzil von Nicäa stößt auf wachsendes Interesse

vor 1700 Jahren formuliert wurden? Und warum sollte ein antikes Glaubensbekenntnis für Menschen von heute noch relevant sein? Und wie kommen kirchliche Autoritäten dazu, Formulierungen wie die folgenden für verbindlich zu erklären: „aus dem Vater geboren vor aller Zeit“, „gezeugt nicht geschaffen“ oder „eines Wesens mit dem Vater“?
 
Im Blick auf das 1700-jährige Jubiläum des Konzils von Nicäa fehlt es nicht an solchen skeptischen Einlassungen. Umso bemerkenswerter ist es, dass dieses Jubiläum offenbar auch in der Breite des kirchlichen Lebens auf wachsendes Interesse stößt. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass Veröffentlichungen wie die Konradsblatt-Serie zu Nicäa aufmerksam wahrgenommen werden, wie die Rückmeldungen zeigen. Auch Veranstaltungen und Gottesdienste zum Jubiläum stoßen auf Interesse. So war die Kirche St. Stephan in Karlsruhe beim jüngsten ökumenischen Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen, bei dem das Thema Nicäa im Mittelpunkt stand, fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Im März findet in Frankfurt ein dreitägiges Symposion zum Jubiläum statt und nicht zuletzt wird Papst Franziskus gemeinsam mit Patriarch Bartholomaios I., dem Oberhaupt der orthodoxen Kirchen, nach Iznik in der Türkei reisen und damit an den Ort, wo das Konzil vor 1700 Jahren stattfand. Vieles spricht dafür, dass das Interesse an Nicäa im Zuge solcher Ereignisse und Beiträge eher noch größer wird.

Das ist ein positives Zeichen. Zum einen deshalb, weil die Bedeutung dieses Konzils gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Wie die badische evangelische Landesbischöfin Heike Springhart zu Recht betonte, wurde damals nicht weniger als das „Herzstück“ des christlichen Glaubens formuliert: „Jesus Christus ist der menschgewordene Gott.“ Eine dogmatische Festlegung, hinter die Katholiken, Protestanten und Orthodoxe weltweit nicht mehr zurückgehen können. Darüber hinaus aber kann das Interesse an Nicäa auch als Zeichen dafür gedeutet werden, dass es neben den Diskussionen über Strukturen ein Bedürfnis gibt, verstärkt nach den Inhalten des Glaubens zu fragen. Danach, wie diese zu verstehen sind und wie sie den Menschen heute vermittelt werden können. Um eben dies ging es ja auch beim Konzil von Nicäa: die ursprünglichen biblischen Aussagen über Jesus Christus in einer neuen Zeit und in einem neuen kulturellen Umfeld sprachlich und denkerisch plausibel zu machen.
 
Michael Winter