Auf Bewährung
27.01.2025 |
Wenn einer in der Familie krank ist, sind eigentlich alle krank: Unter dieser Überschrift stellen Hausärzte auch schon mal Krankmeldungen für pflegende Angehörige aus. Eine weise Einsicht – die sich übrigens auch in der Bibel findet, so in der paulinischen Parabel von Leib und Gliedern (1 Korinther 12). Auf menschliche Gesellschaften übertragen, heißt das: Soziale Lebewesen wie wir bilden eine Schicksalsgemeinschaft. Wir können nicht ohne einander, niemand genügt sich selbst, wir sind zeitlebens aufeinander angewiesen. Insbesondere in den Zeiten des Lebens, wo wir nicht gesund und leistungsfähig unterwegs sind. In der Bewährungsprobe menschlichen Zusammenlebens.
Der Messerstecher von Aschaffenburg war traumatisiert von der Gewalt in seinem Herkunftsland Afghanistan. Was Krieg in Menschen anrichtet, sollten wir in Deutschland gut wissen und in Erinnerung behalten. Das zerstörerische Werk von Menschen an ihresgleichen reißt Wunden, deren Schmerz über Generationen weitergegeben wird. Vielleicht war es der Anblick der fröhlichen Kinder und ihrer Betreuerinnen im Park, der für den jungen Mann unerträglich war, ihn zu todbringender Aggression trieb. Weil da etwas raus musste, das schier nicht mehr auszuhalten war. Was in Aschaffenburg geschehen ist, hat zahlreiche Vorläufer. Und fatal ist, dass die anschließende Diskussion regelmäßig auf halber Strecke steckenbleibt. Wenn ein Migrant in Deutschland auf friedliche Menschen losgeht, schreit alles nach schärferen Regeln für Zuwanderer, auch solchen, die Asyl suchen, also Aufnahme und Schutz. Weil das Drama in der Heimat der Flüchtenden beginnt, oft Kriegsgebiete. Wo Kinder und Jugendliche mit alltäglicher Unmenschlichkeit aufwachsen, in einer Lebensphase, die verletzlicher nicht sein könnte.
Der moderne Mensch versteht sich gern als Weltbürger. Deshalb muss er auch so handeln. Das Drama von Aschaffenburg fordert in letzter Konsequenz Verantwortung in der Welt zu übernehmen – mit aller Konsequenz. Denn die Menschen hierzulande profitieren auch von den Annehmlichkeiten des globalen Lebensstils. An Weltkrisen wie der Corona-Pandemie lässt sich ablesen, wie nah wir einander sind, über Entfernungen und Grenzen hinweg aufeinander angewiesen. Als Menschen.
Nach Ereignissen wie in Aschaffenburg bleibt die Debatte stecken
Zum Jahresende Magdeburg, im neuen Jahr Aschaffenburg: Die Schockwelle setzt sich fort, binnen weniger Wochen. Beide Male waren die Täter mutmaßlich psychisch erkrankt. Altmodisch ausgedrückt: Sie leiden an Leib und Seele.
Wenn einer in der Familie krank ist, sind eigentlich alle krank: Unter dieser Überschrift stellen Hausärzte auch schon mal Krankmeldungen für pflegende Angehörige aus. Eine weise Einsicht – die sich übrigens auch in der Bibel findet, so in der paulinischen Parabel von Leib und Gliedern (1 Korinther 12). Auf menschliche Gesellschaften übertragen, heißt das: Soziale Lebewesen wie wir bilden eine Schicksalsgemeinschaft. Wir können nicht ohne einander, niemand genügt sich selbst, wir sind zeitlebens aufeinander angewiesen. Insbesondere in den Zeiten des Lebens, wo wir nicht gesund und leistungsfähig unterwegs sind. In der Bewährungsprobe menschlichen Zusammenlebens.
Der Messerstecher von Aschaffenburg war traumatisiert von der Gewalt in seinem Herkunftsland Afghanistan. Was Krieg in Menschen anrichtet, sollten wir in Deutschland gut wissen und in Erinnerung behalten. Das zerstörerische Werk von Menschen an ihresgleichen reißt Wunden, deren Schmerz über Generationen weitergegeben wird. Vielleicht war es der Anblick der fröhlichen Kinder und ihrer Betreuerinnen im Park, der für den jungen Mann unerträglich war, ihn zu todbringender Aggression trieb. Weil da etwas raus musste, das schier nicht mehr auszuhalten war. Was in Aschaffenburg geschehen ist, hat zahlreiche Vorläufer. Und fatal ist, dass die anschließende Diskussion regelmäßig auf halber Strecke steckenbleibt. Wenn ein Migrant in Deutschland auf friedliche Menschen losgeht, schreit alles nach schärferen Regeln für Zuwanderer, auch solchen, die Asyl suchen, also Aufnahme und Schutz. Weil das Drama in der Heimat der Flüchtenden beginnt, oft Kriegsgebiete. Wo Kinder und Jugendliche mit alltäglicher Unmenschlichkeit aufwachsen, in einer Lebensphase, die verletzlicher nicht sein könnte.
Der moderne Mensch versteht sich gern als Weltbürger. Deshalb muss er auch so handeln. Das Drama von Aschaffenburg fordert in letzter Konsequenz Verantwortung in der Welt zu übernehmen – mit aller Konsequenz. Denn die Menschen hierzulande profitieren auch von den Annehmlichkeiten des globalen Lebensstils. An Weltkrisen wie der Corona-Pandemie lässt sich ablesen, wie nah wir einander sind, über Entfernungen und Grenzen hinweg aufeinander angewiesen. Als Menschen.
Brigitte Böttner