Eine Wegmarke
06.08.2025 |
Papst Leo XIV. hat die erste globale Bewährungsprobe seit seiner Amtseinführung bestanden.
Das Weltjugendtreffen wirkt im Rückblick wie eine Wegmarke. Stil und Theologie, Begabungen und Begrenzungen des neuen Papstes haben sich vor einem Millionenpublikum gezeigt. Im Vergleich zum spontanen Vorgänger Franziskus wirkt Leo auf der ganz großen Bühne beinahe schüchtern. Fast alles liest er vom Blatt ab, nur selten setzt er Pointen, die einen Applaus bewirken. Manche Beobachter vergleichen ihn schon mit Paul VI., der nach dem jovialen, gutherzigen Johannes XXIII. eher verkopft und unsicher wirkte.
Im Religiösen spricht Leo XIV. die Sprache der Seelsorger der 1980er Jahre. Begriffe wie Zerbrechlichkeit, existenzielle Entscheidung und Sehnsucht nach Sinn sind zentral. Damit bedient er ein Register, das offenbar – obwohl für sie ungewohnt – auch junge Menschen im Social-Media-Zeitalter anspricht.
Auch bei vielen katholischen Jugendbewegungen scheint er gut anzukommen. So haben etwa die unter Papst Franziskus stiller gewordenen Neokatechumenalen mit ihren Gesängen wieder die Straßen Roms erobert. Auch andere Gruppierungen zeigen wieder Flagge. Wenig überraschend waren die schieren Zahlen – sei es bei der „Massenbeichte“ im Circus Maximus mit bis zu 30 000 Teilnehmern oder die rund eine Million Teilnehmer bei den Abschlussgottesdiensten draußen in Tor Vergata. Dennoch zögerten die Veranstalter zunächst und sprachen lange von lediglich 500 000 erwarteten Teilnehmern. Bei alledem blieb für die 1800 laut BDKJ angemeldeten deutschen Teilnehmer in Rom nur die Rolle exotischer Zaungäste.
Durch organisatorische Mängel, an denen sie nicht schuld waren, kamen sie weder bei der Beichte noch bei der Kommunion der Abschlussmesse zum Zug. Als einzige schwenkten sie eine Regenbogenfahne – als Zeichen der Nichtausgrenzung sexueller Minderheiten. Das führte zu spannenden Gesprächen. Aber in den Ansprachen des Papstes kam das Thema nicht mal andeutungsweise vor. Franziskus hatte beim letzten Weltjugendtag in Lissabon 2023 mit dem Ausruf, die Kirche sei offen für „alle, alle, alle!“, noch einen ganz anderen Akzent gesetzt.
Ludwig Ring-Eifel, Rom-Korrespondent der KNA