Halb voll oder halb leer?

28.10.2025 |

Aus den Pfarreiratswahlen lassen sich positive Rückschlüsse ziehen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Natürlich drängt sich diese Frage im Blick auf die zurückliegenden Pfarreiratswahlen auf. Einerseits lag die Wahlbeteiligung nach letzten Meldungen über der Quote von 2020 und damit höher, als pessimistische Beobachter befürchtet hatten. Zuvor hatte schon die Zahl der Kandidierenden manche positiv überrascht. In vielen Stimmbezirken gab es mehr Kandidaten als Plätze. Dazu kommt die Hoffnung, dass sich alsbald noch viele für ein Engagement in den Gemeindeteams zur Verfügung stellen werden. Insofern wäre das Glas halb voll.

Andererseits ist die vorläufige Statistik der Wahlen auch ernüchternd. Sie zeigt, dass nur ein kleiner Teil, in den großen Städten ein Bruchteil der Katholiken Interesse daran hat, die Entwicklung der Kirche in ihrem Umfeld wenigstens durch eine Stimmabgabe bei den Pfarreiratswahlen zu stärken. Ganz zu schweigen von der Beteiligung der Jüngeren. Bis hoch zu den 50-Jährigen ist es nicht falsch, von „vereinzelten“ Wählerinnen und Wählern zu reden. Auf diesem Hintergrund ist das Glas sicherlich halb leer. 

Halb voll ist es wiederum, wenn man realistischerweise die dramatischen Veränderungen in den Blick nimmt, von denen das kirchliche wie auch das gesellschaftliche Leben spätestens seit der Jahrtausendwende war und ist. Auf diesem Hintergrund erscheint schon allein die Tatsache, dass die Zahl der Wählerinnen und Wähler am vergangenen Wochenende deutlich höher war als die Zahl der Gottesdienstteilnehmer und der Ehrenamtlichen als bemerkenswert. 

Für manche Wahlhelferinnen und Wahlhelfer kam noch eine weitere Beobachtung dazu: Selbst in kleineren Gemeinden war es mitunter mühsam, sich durch die dicken ausgedruckten Wählerverzeichnisse zu kämpfen, um die Präsenzwähler ordnungsgemäß abzuhaken. Einfach aufgrund der großen Zahl der Wahlberechtigten in den jeweiligen Stimmbezirken. So wenige sind wir geworden – diese Klage ist landauf, landab immer wieder zu hören. Es könnte aber auch andersrum heißen: So viele sind es immer noch, die als Kirchenmitglieder verzeichnet und trotz aller Krisen nicht ausgetreten sind, sondern weiter dazugehören und auch ihren finanziellen Beitrag leisten wollen. Ob man das Glas als halb voll oder als halb leer betrachtet – es passt das, was Martin Müller, der Geschäftsführer des Diözesanrats, im Blick auf die Pfarreiratswahlen sagt: „Da kann man was daraus machen.“
 
Michael Winter


Kommentare

Neuen Kommentar verfassen

Keine Kommentare vorhanden