Nicht von dieser Welt
22.04.2024 |
Dabei umfasst die Zahl mit den 13 Stellen alles, was zwischen Lappland und dem Kap der guten Hoffnung, zwischen Atlantischem und Pazifischem Ozean an Gewehren, Bomben und Raketen angeschafft wurde. In die Analyse gehen auch die Aufwendungen für die Forschung an neuen, noch effizienteren Waffen ein. Und sogar der Sold für die Truppen wird berücksichtigt – womit das Augenmerk auch auf den Umstand gerichtet wird, dass hinter jeder Waffe Menschen stehen, die den Auslöser betätigen. Oder umgekehrt: die vom Radar des gegnerischen Mordinstruments erfasst werden können. Keine Frage: Die Welt ist momentan mehr als in anderen Epochen von böswilligen Usurpatoren herausgefordert. Und es ist ebenfalls keine Frage, dass ein Staat wehrhaft sein muss gegen Übergriffe. Rüstung ist eben die andere Seite des Prinzips vom „gerechten Krieg“, der schon seit der Antike definierten, wohl begründeten militärischen Auseinandersetzung. Die explodierenden Ausgaben für Vernichtungswaffen sind aber auch die andere Seite der Realpolitik in einer globalisierten Welt mit über acht Milliarden Menschen, deren Zusammenleben immer komplexer wird.
Da dürfen, da müssen sich die Fragen stellen, welche „Rendite“ denn für diese abenteuerlich hohe Zahl an Investitionen in Rüstungsgüter erwartet werden kann? Die Bewahrung der Freiheit? Den Schutz von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit? Die Verteidigung des freien Handels? Die Einhaltung der Menschenrechte? Oder schlichter: Den Machterhalt? Die Sicherstellung des Rohstoffzugangs?
Aus der zu erwartenden Kakophonie an Antworten schält sich eines als gewiss heraus: Den Frieden wird die explosive Zahl nicht bringen. Sie müsste aber selbst Agnostiker und Atheisten zu der demütigen Einsicht bringen: Der wahre Frieden kommt nicht von dieser Welt.
Weltweit stiegen die Ausgaben für Rüstungsgüter auf ein Rekordhoch.
Mit dem sperrigen Namen „Opportunitätskosten“ bezeichnet die Volkswirtschaft all das, was man mit dem Geld für eine Anschaffung noch anderes, besseres, rentableres hätte machen können. Mit zwei Billionen Euro könnte man, ohne lange nachzudenken, sehr viel Sinnvolles machen. Sinnvoller auch als das, was Staats-, Regierungschefs und Parlamente 2023 beschlossen haben: Denn die globalen Militärausgaben stiegen in jenem Jahr laut Berechnungen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri auf gewaltige 2443 Milliarden US-Dollar, das ist ein neuer Rekordwert.
Dabei umfasst die Zahl mit den 13 Stellen alles, was zwischen Lappland und dem Kap der guten Hoffnung, zwischen Atlantischem und Pazifischem Ozean an Gewehren, Bomben und Raketen angeschafft wurde. In die Analyse gehen auch die Aufwendungen für die Forschung an neuen, noch effizienteren Waffen ein. Und sogar der Sold für die Truppen wird berücksichtigt – womit das Augenmerk auch auf den Umstand gerichtet wird, dass hinter jeder Waffe Menschen stehen, die den Auslöser betätigen. Oder umgekehrt: die vom Radar des gegnerischen Mordinstruments erfasst werden können. Keine Frage: Die Welt ist momentan mehr als in anderen Epochen von böswilligen Usurpatoren herausgefordert. Und es ist ebenfalls keine Frage, dass ein Staat wehrhaft sein muss gegen Übergriffe. Rüstung ist eben die andere Seite des Prinzips vom „gerechten Krieg“, der schon seit der Antike definierten, wohl begründeten militärischen Auseinandersetzung. Die explodierenden Ausgaben für Vernichtungswaffen sind aber auch die andere Seite der Realpolitik in einer globalisierten Welt mit über acht Milliarden Menschen, deren Zusammenleben immer komplexer wird.
Da dürfen, da müssen sich die Fragen stellen, welche „Rendite“ denn für diese abenteuerlich hohe Zahl an Investitionen in Rüstungsgüter erwartet werden kann? Die Bewahrung der Freiheit? Den Schutz von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit? Die Verteidigung des freien Handels? Die Einhaltung der Menschenrechte? Oder schlichter: Den Machterhalt? Die Sicherstellung des Rohstoffzugangs?
Aus der zu erwartenden Kakophonie an Antworten schält sich eines als gewiss heraus: Den Frieden wird die explosive Zahl nicht bringen. Sie müsste aber selbst Agnostiker und Atheisten zu der demütigen Einsicht bringen: Der wahre Frieden kommt nicht von dieser Welt.
Klaus Gaßner