Frischer Wind im Osten
03.12.2024 |
Auf Rottenburgs neuen Bischof Klaus Krämer warten große Herausforderungen
Nur zwölf Monate dauerte die Sedisvakanz im Nachbarbistum Rottenburg-Stuttgart – und das ist gut so. Derzeit verändert sich die kirchliche Realität in solch hoher Rasanz, dass jeder Monat Abwarten ein verlorener Monat ist. Klaus Krämer kann sich nun in der Adventszeit im neuen Amt zurechtfinden und mit dem Jahreswechsel mit der Arbeit loslegen. Denn daran wird es ihm nicht fehlen. Die Aufarbeitung der lastenden Affäre um sexuellen Missbrauch hat der 60-jährige selbst als eine der großen anstehenden Herausforderungen angesprochen.
Hinzu kommt, dass die 1,6 Millionen Katholiken in Württemberg noch die Heimeligkeit ihrer über 1000 Pfarreien schätzen können, eine durchgreifende Strukturanpassung hat es in Württemberg noch nicht gegeben, obgleich auch dort die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt. Der neue Mann wird daher schwere Entscheidungen treffen müssen, nicht zuletzt, wenn es um den Fortbestand von Immobilien geht. Klaus Krämers Metropolitanbischof, Erzbischof Stephan, mag schon gewusst haben, warum er launig in seiner Ansprache darüber nachdachte, ob man zu einer Bischofswahl heute wirklich gratulieren könne oder nicht eher kondolieren müsse …
Hinzu kommt, dass die 1,6 Millionen Katholiken in Württemberg noch die Heimeligkeit ihrer über 1000 Pfarreien schätzen können, eine durchgreifende Strukturanpassung hat es in Württemberg noch nicht gegeben, obgleich auch dort die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt. Der neue Mann wird daher schwere Entscheidungen treffen müssen, nicht zuletzt, wenn es um den Fortbestand von Immobilien geht. Klaus Krämers Metropolitanbischof, Erzbischof Stephan, mag schon gewusst haben, warum er launig in seiner Ansprache darüber nachdachte, ob man zu einer Bischofswahl heute wirklich gratulieren könne oder nicht eher kondolieren müsse …
Gleichwohl kann der ausgemachte Reformstau auch sein Gutes haben. Die kirchliche Realität verändert sich und möglicherweise eröffnen sich ja ganz neue Möglichkeiten – die Weltsynode hat zumindest keine Türen zugemacht. Überdies kann der Neue auf dem Rottenburger Bischofsstuhl von anderen Prozessen in Deutschland lernen und von gemachten Erfahrungen profitieren. Die Bistümer Freiburg und Rottenburg-Stuttgart sind sich ihrem Wesen nach ähnlich und sie bilden den wichtigen Rahmen für gesellschaftliches Zusammenleben, das in Baden-Württemberg noch immer stark von Kirche geprägt ist. Die Grenze zwischen beiden Diözesen mäandert gleichzeitig so abenteuerlich hin und her, dass selbst der geneigte Gläubige mal die Übersicht verlieren kann. Rein vom „Kunden“ her gedacht, um unschönen Wirtschaftssprech zu nutzen, ist mehr Miteinander geboten. Die Kassenlage tut ein Übriges dazu, um künftig stärker ins Gespräch zu kommen. Denn: Auf Vernunft angelegte Kooperationen schaffen bessere Ergebnisse und schonen Ressourcen – und Letzteres wäre ganz persönlich ja dem Neuen in Rottenburg zu wünschen: Dass er weiter hinreichend viel Zeit für seine Hobbys findet, dem Laufen, dem Lesen und der Kultur.
Klaus Gaßner