Politik und Glaube
19.03.2025 |
Die Bischöfe positionieren sich, das müssen auch die Gläubigen tun
Die Frühjahrs-Vollversammlung der Bischöfe glich einem Parforceritt über die Brennpunkte dieser Welt: Die Politik scheint weltweit außer Rand und Band, folgerichtig können auch die Bischöfe nicht anders, als sich den entstehenden Herausforderungen zu stellen. Krieg in der Ukraine, die Vereinigten Staaten, die sich von eingeübten Ordnungsstrukturen abwenden, eine derzeit führungslose Bundesrepublik und eine immanente Herausforderung durch eine Partei, die rechtsextreme und nationalistische Töne anschlägt. Im Gefolge prasselt so manches auf die Bundesbürger ein – die drohende überdimensionierte Neuverschuldung, die gewaltige Aufrüstung, die sichtbare Spaltung der Gesellschaft ...
Die Bischöfe haben in Georg Bätzing einen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, der an Format immer mehr zugelegt hat. Er hat sich seit seinem Amtsantritt große Souveränität verschafft, überzeugt mit Sachverstand und ruhiger Diplomatie. Und er lässt keinen Zweifel, dass die politischen Positionierungen der katholischen Kirche wichtig und nötig sind. Mehr noch: Dass es für jeden Christen, für jede Christin auch eine Notwendigkeit ist, sich politisch zu bilden und zu positionieren.
Mit deutlichen Worten hat Bätzing dabei Position bezogen zur AfD, einer Partei, mit der es keine Gemeinsamkeiten gebe. Um im gleichen Atemzug deutlich zu machen, dass es mit den Wählern der AfD sehr wohl Gemeinsamkeiten gebe: Man müsse deren Sorgen viel ernster nehmen. Vielleicht ernster als bislang geschehen. Dass „der Mensch“ das eine ist und „das menschliche Werk“ – also auch seine politische Haltung – davon verschieden, das ist eine uralte theologische Überzeugung. Sie wird in diesen Tagen zu einer Aufgabe: Im politischen Diskurs gilt es doch in den Streit zu gehen und den dünnen populistischen Verlockungen die komplexere Verantwortung für die Welt entgegenzuhalten. Und im christlichen Zusammenleben wartet eine noch größere Herausforderung: Zwei Menschen, die der Zufall im Gottesdienst nebeneinander in die Kirchenbank führt, können durch gegensätzliche politische Positionen getrennt sein – und im gemeinsamen Schuldbekenntnis ihre eigene Begrenztheit ausdrücken. Sich mit Würde zu begegnen und mit Ernsthaftigkeit auszutauschen – wo soll das also besser eingeübt werden können als im kirchlichen Kontext? Freilich bedarf es dazu Mut und guter Argumente – übrigens auf allen Ebenen der kirchlichen Hierarchie.
Klaus Gaßner