Erfüllte Ruhe
29.10.2025 |
Wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt, spreche ich gerne eher von einer Berufung.
Der Berufung, Menschen zusammenzubringen, sie in Kontakt zu bringen, sie mit Kultur in Berührung zu setzen – oft ohne jede finanzielle Eintrittsschwelle oder zu einem sehr angenehmen Eintrittspreis.
Ohne Austausch, Begegnung und ein gelebtes Miteinander ist Demokratie nicht möglich – wir schaffen mit Veranstaltungen, Kultur, Events und Festen einen vordemokratischen Raum, der Diskurs auf Augenhöhe zulässt.
Gerade hier ist es auch wichtig, Räume der Stille zu schaffen: beim großen FEST in der Günther Klotz Anlage haben wir ganz bewusst unbespielte Orte an der Alb, an den Seen oder auch das „Kirche ohne Dach“-Projekt, das Raum für Stille gibt. Das ist notwendig, weil man das Erlebte, das Diskutierte, die kulturellen Anregungen auch für sich verarbeiten muss.
In meinem Alltag sind meine Orte der Stille auch unser Garten – mir ist der Blick für die kleinen Wunder der Natur nie verstellt worden. Ich kann mich auf einen Stuhl setzen und einfach das Wunder der Natur voller Dankbarkeit genießen. Der Insektenflug, die wunderschöne Blume oder der beeindruckende Baum – sie strahlen so viel Schönheit aus, dass sie auf mich eben auch eine Bestärkung meines Glaubens bedeuten.
Bin ich in anderen Städten, bieten mir Kirchenräume immer wunderbare spirituelle Orte der Stille. Über unser Indien-Festival genieße ich regelmäßig Aufenthalte in Indien, in einer Millionen-Stadt wie Mumbai einen Tempel zu besuchen ist ein Eintauchen in eine andere Welt. Hier geht es nicht um das Vermeiden von Hektik oder Stress, hier geht es um den Einklang mit sich selbst, der Seele und am Ende für mich auch um den Glauben. Man kann sich zurückbesinnen, auf den Ursprung – jenseits von Leuchtreklamen, einem Hupkonzert oder Konsumversprechen an jeder Ecke.
Diese Stille erlaubt ein komplettes Einlassen auf sich selbst und auf die Reflektionen dessen, was man glaubt und was einen stärkt. So beschreibe ich Stille gerne als erfüllte Ruhe.
Martin Wacker
Der Gastautor ist von Berufs wegen eher ein Mann der Töne: Kabarettist, Moderator, Eventmanager, KSC-Stadionsprecher und verantwortlich für das Karlsruher Sommer-Openair „Das Fest“.