Fortgesetzte Unfähigkeit

02.12.2025 |

In der Posse von Goldenstein gibt die Amtskirche kein gutes Bild ab 

„Die drei Nonnen von Goldenstein“, schon allein dieser Titel hätte das Zeug zu einer süffigen Vorabendserie, traumhafte Bilder eingeschlossen, stets liebevoll agierende, da und dort auch mal etwas schrullig wirkende Ordensschwestern, die mit sehr viel Einsatz und noch mehr Gebet die Welt ein Stück wärmer machen. Was die Realität aber abbildet, gehört eher ins Skandalprogramm des späteren Fernsehabends. Nur noch mit Kopfschütteln lässt sich ertragen, wie ungelenk die kirchlichen Behörden einmal mehr von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpern. Sie lassen zu, dass eine immer größer werdende Weltöffentlichkeit in Echtzeit erleben kann, wie drei alte, fromme Damen eigentlich nur ihre Ruhe ersehnen und das ihnen verbriefte Recht, ihr betagtes Leben in dem Umfeld erleben zu dürfen, dem sie ihre ganze lange Schaffenskraft geschenkt haben: dem Kloster. Dagegen steht eine Amtskirche, die mit sprödem Kirchenrecht, mit Versorgungsvereinbarungen und Mietverträgen auf Einlenken pocht und jegliche Sensibilität vermissen lässt.

Spitze der fortgesetzten Unfähigkeit, den klösterlichen Frieden wiederherzustellen, ist es wohl, den Schwestern ihr Engagement auf den sozialen Kanälen zu verbieten, wo mittlerweile 150000 Menschen täglich gebannt auf neue Nachrichten warten. Dabei müsste die Kirche alles dafür geben, auf Instagram & Co. wahrgenommen zu werden; das aber gelingt den drei authentischen Frauen derzeit weit besser als den teuren, hochgerüsteten Kommunikationsabteilungen, die sich Bistümer mittlerweile leisten.

Wo ist er, der charismatische, zupackende Seelsorger, der einfach mal die Sache in die Hand nimmt, gewinnend, pragmatisch, selbstkritisch auch – und vor allem: der die würdigen Frauen einfach ernst nimmt. Mittlerweile sind die „Helferinnen und Helfer“ des geistlichen Trios dem Propst ein Dorn im Auge, schließlich verletzten sie „die klösterliche Klausur“. Klar, längst haben die Schwestern Unterstützer gefunden – von der Firma, die den Treppenlift lieferte, bis zu Frauen, die zum Einkaufen kommen, und dem Künstler, der ein Abendprogramm macht. Aber warum? Weil von dort keine Hilfe kam, von der man sie hätte erwarten können. Nein, müssen.

Ein Trauerspiel, das sinnbildlich dafür steht, wie die Gesellschaft – und dazu gehört leider auch die Kirche – mit ihren Seniorinnen und Senioren umgeht: Einsamkeit und fremdbestimmte Entscheidungen sind da allgegenwärtig. Das einzig Positive an dieser Posse um die „drei Nonnen von Goldenstein“: Es würdigt Frauen, deren einzigartiges Lebenswerk in der Anonymität und Unauffälligkeit gedieh. Nun, im hohen Alter, erfahren diese Ordensschwestern große, wohlwollende Öffentlichkeit. Endlich.
 
Klaus Gaßner