In die Offensive
18.02.2026 |
Die rückläufige Zahl Theologiestudierender muss Sorgen machen
Die Zahl der katholischen Theologiestudierenden sinkt. Diese Nachricht mag angesichts der zunehmenden Säkularisierung kaum verwundern. Dennoch erschrecken Ausmaß und Geschwindigkeit, in denen und wie die Studierendenzahlen, insbesondere im theologischen Vollstudium, rückläufig sind. Denn sollte sich diese Entwicklung weiter fortsetzen, so dürfte einerseits die Kirche auf ein gravierendes Personalproblem zusteuern – dann fehlen in den Kirchengemeinden nicht mehr nur Priester, sondern auch qualifizierte Laientheologinnen und -theologen.
Andererseits geraten auch die Wissenschaftsstandorte selbst in Gefahr. Schließlich wird sich ohne eine hinreichende Zahl an Studierenden die bisherige Zahl der theologischen Fakultäten an staatlichen Hochschulen kaum mehr rechtfertigen lassen. Gleichzeitig fehlen die (Nachwuchs-)Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die frei werdende Lehrstühle besetzen, Forschung vorantreiben und die theologische Kompetenz in den gesellschaftlichen Diskurs hineintragen. Mögen kirchliche Hochschulen – vor allem bedingt durch das Studium ausländischer Ordensangehöriger – auch etwas besser dastehen, den wichtigen Dialog der Theologie mit den anderen Wissenschaften vermögen sie nicht zu ersetzen.
Kirche und theologische Wissenschaft stehen nun vor der schwierigen Aufgabe, dieser womöglich bisher unterschätzten Entwicklung entgegenzuwirken und in die Offensive zu gehen. Dazu braucht es einerseits profilierte Theologinnen und Theologen, die gehört werden, wenn es in der Gesellschaft um Sinn- und Lebensfragen geht. Die Theologie muss sprachfähiger werden.
Und auch die Kirche, die zuletzt als Institution bedingt durch den Missbrauchsskandal stark an Vertrauen verloren hat, muss besser als bisher die Frage beantworten, warum und mit welcher beruflichen Perspektive ein junger Mensch das Studium zum „Magister Theologiae“ aufnehmen sollte. Hier gibt es durchaus Pfunde, mit denen man wuchern kann: etwa die hohe Qualität der Aus- und Weiterbildung, das Angebot sinnstiftender Tätigkeiten oder ein krisenfestes Arbeitsverhältnis.
Einen „Hemmschuh“ allerdings, der vielleicht so manche junge Frau vom Studium abhalten könnte, wird die katholische Kirche leider nicht so schnell beseitigen können: die fehlende Geschlechtergerechtigkeit, wenn es um Leitungsaufgaben geht.
Kirsten Zimmerer