Die richtige Antwort
11.03.2026 |
Aufhorchen lässt bei dieser Publikation der Fokus auf die psychosozialen Fähigkeiten derjenigen, die Sterbewillige pflegen, versorgen, behandeln und betreuen: Sie müssen aushalten (können), was Betroffene mitteilen; wie Lebensmüde darum kämpfen, ihre Klagen und Wünsche an den Mann und die Frau zu bringen. Wer mit Suizidwilligen befasst ist, muss sich anhören (können), was sie fordern (etwa Hilfe beim Sterbenkönnen) und was sie ihren Mitmenschen damit zumuten. Es ist nicht mehr und nicht weniger als das Leben von Sterbenskranken, das vermutlich selbst eine einzige Zumutung ist. Hier von lebenswertem Dasein zu sprechen und den grundsätzlichen Wert von Leben zu bejahen, braucht Demut und Wagemut zugleich. Etwas, das die „richtige Antwort“, aber nur im
Glauben möglich ist.
Brigitte Böttner
Katholische Kirche und Caritas positionieren sich zur Sterbehilfe
In der breiten und medialen Öffentlichkeit schien das Thema schon wieder aus dem Blick geraten – oder vielmehr verdrängt. Doch die Aufgabe harrt ihrer Erledigung: Am 26. Februar 2020, wenige Tage vor dem ersten Corona-Lockdown, stellte das Bundesverfassungsgericht fest, dass die Selbstbestimmung über das eigene Lebensende zum ureigensten Bereich der menschlichen Person gehöre. Ein Spruch der obersten Instanz dieses Landes, der Fassungslosigkeit bei den einen, Triumphgefühl bei den anderen hervorrief, namentlich den Betreibern sogenannter Sterbehilfevereine. Deren „erfolgreiche“ Arbeit zu begrenzen sei dem Gesetzgeber durchaus möglich, so die Richterinnen und Richter, der Wunsch nach Sterbehilfe müsse nicht zwangsläufig in einer weiteren „Todesart“ münden. Dem Urteil und Auftrag aus Karlsruhe folgten ein paar fraktionsübergreifende Entwürfe und Beratungen, ein Gesetz zur Suizidprävention steht immer noch aus.
Jetzt bringen die katholischen Bischöfe und die Caritas das Thema Suizid(hilfe) wieder ins Gespräch, mit einem Papier, in dem sie „Leitlinien“ zur Verhütung von Suiziden und zum Umgang mit Suizidwünschen in katholischen Einrichtungen aufstellen. Allem voran wird festgestellt, dass der begleitete Suizid nach Auffassung der Kirche „nicht die richtige Antwort“ auf die Lebenssituation von Menschen mit Suizidwünschen oder -absichten sei. Das überrascht nicht, folgt vielmehr der theologisch ethischen Linie, die alle katholischen Positionspapiere durchzieht. Es geht um eine lebensbejahende Haltung und Kultur, um Beistand und Begleitung vom ersten bis zum letzten Atemzug.
Aufhorchen lässt bei dieser Publikation der Fokus auf die psychosozialen Fähigkeiten derjenigen, die Sterbewillige pflegen, versorgen, behandeln und betreuen: Sie müssen aushalten (können), was Betroffene mitteilen; wie Lebensmüde darum kämpfen, ihre Klagen und Wünsche an den Mann und die Frau zu bringen. Wer mit Suizidwilligen befasst ist, muss sich anhören (können), was sie fordern (etwa Hilfe beim Sterbenkönnen) und was sie ihren Mitmenschen damit zumuten. Es ist nicht mehr und nicht weniger als das Leben von Sterbenskranken, das vermutlich selbst eine einzige Zumutung ist. Hier von lebenswertem Dasein zu sprechen und den grundsätzlichen Wert von Leben zu bejahen, braucht Demut und Wagemut zugleich. Etwas, das die „richtige Antwort“, aber nur im
Glauben möglich ist.
Brigitte Böttner